6 30, 2009 2:03 AM

BIZ: Maßnahmen gegen Weltwirtschaftskrise können scheitern

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BIZ: Maßnahmen gegen Weltwirtschaftskrise können scheitern

Die Hoffnung auf ein schnelles Ende der Weltwirtschaftskrise könnte sich als trügerisch erweisen.

Nach Ansicht der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) besteht das Risiko, dass der Kampf von Regierungen und Notenbanken gegen die schwerste Krise seit Jahrzehnten scheitern könnte. Dann dürfte eine lang anhaltende Stagnation folgen, wenn die Probleme der Banken, die zu der Krise geführt haben, nicht gelöst würden, warnte die BIZ. Photo: BIZ

Nach Ansicht der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) besteht das Risiko, dass der Kampf von Regierungen und Notenbanken gegen die schwerste Krise seit Jahrzehnten scheitern könnte. Dann dürfte eine lang anhaltende Stagnation folgen, wenn die Probleme der Banken, die zu der Krise geführt haben, nicht gelöst würden, warnte die BIZ in ihrem am Montag in Basel veröffentlichten Jahresbericht.

Zwar gebe es Anzeichen einer Stabilisierung. Auch sei eine Rückkehr der Weltwirtschaft auf einen soliden Wachstumspfad noch in diesem Jahr denkbar. Allerdings bestünden auf dem Weg zu einer sich selbst tragenden Erholung der Konjunktur erhebliche Risiken, heißt es in dem BIZ-Bericht. "Anlass zur Sorge ist vor allem der geringe Fortschritt bei der Lösung der strukturellen Probleme im Finanzsektor."

Die milliardenschweren von den Regierungen in aller Welt aufgelegten Konjunkturprogramme und die aggressive Geldpolitik der Zentralbanken seien zwar unabdingbare Voraussetzungen für ein Ende der Krise. Aber: "Ob diese Maßnahmen zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen Erholung führen werden, ist eine offene Frage", schreiben die Experten der BIZ. Allerdings mehrten sich in jüngster Zeit die Anzeichen für ein Ende der konjunkturellen Talfahrt.

Nach Ansicht der BIZ kommt der Gesundung des Finanzsystems, in dem die Krise ihren Anfang nahm, eine Schlüsselrolle für eine nachhaltige Erholung zu. Diese sei "nicht möglich, ohne dass die Banken - im Zweifelsfall unter staatlichem Druck - ihre Verluste verbuchen, ihre Bilanzen um notleidende Vermögenswerte bereinigen, ihre Kapazitätsüberschüsse abbauen und ihre Eigenkapitalbasis stärken." Dies sei derzeit "noch nicht der Fall", bemängelt die BIZ.

BIZ-Generaldirektor Jaime Caruana wurde am Montag in Basel deutlicher: "Der Finanzsektor muss schrumpfen, denn er ist zu groß geworden. Wenn die Probleme im Finanzsystem nicht überwunden werden, besteht das Risiko, dass die beispiellosen geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen nur vorübergehend Wirkung zeigen und letztlich verpuffen. Bestenfalls können diese Maßnahmen, wenn sie wirkungslos sind, eine sich selbst tragende Erholung verzögern, schlimmstenfalls könnten sie ihr Scheitern bedeuten." Eine lang anhaltende Stagnation der Weltwirtschaft wäre die Folge.

Eine ausgedehnte Stagnationsphase könne, so die BIZ, die Glaubwürdigkeit der beschlossenen Maßnahmen, wie beispielsweise der Konjunkturpakete, untergraben. Die Regierungen könnten dann Schwierigkeiten bekommen, Anleihen zu platzieren, wodurch sich die Finanzierungskosten der Staaten plötzlich erhöhen würden. In diesem Fall wären viele Regierungen gezwungen, "starke Ausgabenkürzungen oder Steuererhöhungen vorzunehmen." Deshalb müsse auch die Rekordverschuldung in vielen Ländern wegen der Konjunktur- und Bankenrettungspakete sofort nach dem Ende der Krise zurückgefahren werden. Die Sanierung der öffentlichten Finanzen sei die wichtigste politische Herausforderung der kommenden Jahre - für viele Länder eine Herkulesaufgabe.

Auch den Notenbanken steht nach Ansicht der BIZ noch viel Arbeit ins Haus. Das akute Krisenmanagement hat in vielen Ländern zu extrem niedrigen Leitzinsen und einer sehr laxen Geldpolitik geführt. Dieser expansive Kurs müsse so schnell wie möglich wieder verlassen werden, fordert die BIZ, um nicht langfristig eine hohe Teuerung als nächstes Problem auf dem Tisch zu haben.

Zugleich fordern die Experten einen radikalen Kurswechsel der Zentralbanken, um künftige Krisen möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen. "Um das Finanzssystem stabilisieren zu können, müssen die Zentralbanken aktiver vorgehen und sowohl Kredit- also auch Vermögenspreisbooms bekämpfen." Die Finanzkrise habe deutlich gemacht, "dass es letztlich zu kostspielig ist, wenn sich die Zentralbanken allein auf die Inflationssteuerung über einen relativ kurzen Zeithorizont konzentrieren und sich darauf beschränken, nach dem Platzen der Blasen und dem Einbruch der Kreditvergabe ‚Aufräumarbeit' zu leisten."

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