By Roger | December 28, 2012 9:23 PM CET

Jacques Delors: Großbritannien könnte aus der EU austreten

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Jacques Delors: Großbritannien könnte aus der EU austreten

Großbritannien könnte die Europäische Union verlassen und eine lockerere wirtschaftliche Beziehung eingehen, während sich die Eurozone in einen föderalen Staat entwickelt, sagte Jacques Delors heute.

Great Britain Flag

Der ehemalige Präsident der Europäischen Kommission, der als Architekt der modernen EU und des Euro gilt, würde es begrüßen, wenn die Staats- und Regierungschefs den Briten einen Ausweg aus der Union anbieten würden.

"Den Briten geht es allein um ihre Wirtschaftsinteressen", sagte der langjährige Kommissionspräsident Delors dem "Handelsblatt". Er empfahl den Austritt Großbritanniens aus der EU. "Ich könnte mir eine Form wie den Europäischen Wirtschaftsraum vorstellen oder ein Freihandelsabkommen", sagte der 87-jährige Franzose. Wenn die Briten den "Trend zu mehr Integration in der EU" nicht ertrügen, "könnten wir trotzdem Freunde bleiben, aber auf anderer Basis".

Der Vorschlag von Monsieur Delors zielt darauf ab, dass Frankreich bereit sein könnte, den Briten entgegenzukommen. Das würde den Einfluß der Franzosen in der Union erhöhen, während sich die EU dank der Schuldenkrise in eine steuerliche und politische Union entwickelt.

"Wenn jeder Mitgliedstaat die Teile der bestehenden Politik wie Rosinen herauspicken könnte, die ihm am besten gefallen - und bei jenen nicht mitmachen, die ihm am wenigsten gefallen, würden sich die Union im Allgemeinen und der einheitliche Markt im Besonderen rasch auflösen", bellte Van Rompuy scharf zurück. Er gehe nicht davon aus, dass ein einzelner Mitgliedstaat "die Grundlagen unseres kooperativen Systems untergraben" wolle.

Van Rompuy sagte dem "Guardian", entsprechende Änderungen der europäischen Verträge würden einen "langwierigen und beschwerlichen Prozess" bedeuten, weil die Zustimmung aller Mitgliedstaaten erforderlich wäre. Ein Austritt Großbritanniens aus der EU wäre so, als würde man "einen Freund in die Wüste gehen sehen", fügte Van Rompuy hinzu. Van Rompuy mag recht haben, wenn man Länder wie Norwegen und die Schweiz als "Wüste" bezeichnen wollte.

David Cameron steht unter Druck, da die britische Öffentlichkeit endlich ein Mitspracherecht darüber fordert, ob der Staat in der EU bleiben soll oder nicht. Ein solches Mitspracherecht dürfte in einer Demokratie selbstverständlich sein, sollte man meinen.

In Großbritnannien wird allgemein erwartet, dass Cameron in seiner Neujahrsansprache Pläne für eine Volksabstimmung im Jahr 2015 skizzieren wird.

"Nur ein in/out-Referendum über den Termin der nächsten allgemeinen Wahlen wird das Verhältnis Großbritanniens mit Europa zurücksetzen und helfen einen regelrechten Sieg der Konservativen zu liefern", sagte Mark Pritchard, ein MP der Tories.

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