By Roger | November 7, 2012 7:13 PM CET

Staatliche Rettungsmaßnahmen erschaffen eine Zombiewirtschaft

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Staatliche Rettungsmaßnahmen erschaffen eine Zombiewirtschaft

Niemand wollte die Lehren aus der japanischen Geld- und Wirtschaftspolitik der letzten 20 Jahren lernen, bis es für den Westen zu spät war. Bereits zu Beginn der Finanzkrise haben die Japaner davor gewarnt, ihre Fehler in den USA und in Europa zu wiederholen. Sie betonten, dass die Säuberungen der Banken der wichtigste Schritt zur Krisenbewältigung ist.

EZB-Zentrale in Frankfurt

Doch in Europa und den USA weigerten sich die Politiker, den Banken die bittere aber dringend benötigte Medizin zu geben.

Bestehende empirische Forschungen haben gezeigt, dass die staatliche Unterstüzung von Banken kontraproduktiv sein kann. Oft führt sie zu erhöhten Verlusten in den Bilanzen der Geldinstitute, da diese die staatlichen Krücken oft missbrauchen, um unproduktive Risiken auf Kosten der Steuerzahler einzugehen.

Das typische Ergebnis dieser Wohlfahrtspolitik ist ein tiefes Loch im Nettowert der Banken, lähmende Steuereinkommen, mit denen auch noch weitere Bankenrettungen finanziert werden müssen, eine weitere Kontraktion der Kreditversorgung und wirtschaftlicher Niedergang.

Internationale Studien zeigen auf, dass Stützungsmaßnahmen für Banken (wie etwa Liquiditätsspritzen von der Zentralbank oder explizite Staatsgarantien für Finanzinstitute) steuerlich kostspielig sind und eben gerade nicht in einer Beschleunigung der Wirtschafsleistung münden, obwohl von den Politikern immer wieder hoch und heilig versprochen.

Da eine Abwicklung einer Bank mit vielen Hindernissen verbunden ist, gibt es eine Tendenz, den vermeintlich politisch korrekten Weg mit staatlichen Rettungsmaßnahmen zu wählen. Anstatt die Wirtschaft sich selbst bereinigen zu lassen, wird der Konkurs einer Bank verschleppt. In Europa haben insolvente französische und deutsche Banken von der Eurozone einen Blankoscheck erhalten.

Eine der wichtigsten Merkmale der japanischen Geldpolitik seit dem Zusammenbruch des Nikkei war die Verwendung von außergewöhnlichen geldpolitischen Maßnahmen zur Stabilisierung der Vermögenswerte und Förderung der Kreditaufnahme.

Diese Maßnahmen haben in Japan nicht funktioniert, ganz im Gegenteil: Billige Kredite haben keine Investitionen angekurbelt sondern ineffiziente Kreditnehmer am Leben erhalten. Die superbilligen Gelder wurden zu einer permanenten Medizin, die der Wirtschaft keine Heilung bringen konnte.

Eine neue Studie von JP Morgan zeigt auf, dass die Zombiefizierung der Wirtschaft eine unvermeindliche Folge der Verzerrung der Preise für Kapital ist. Beachten Sie, dass wir schon seit einer sehr langen Zeit auf dem Weg zu verzerrten Kapitalmärkten waren. Erst wurden die Verlustrisiken von Spekulationen von Greenspan und dann von Bernanke gesenkt. Die Anzahl der Interventionen ist in den letzten 25 Jahren stark angestiegen, während deren Nutzen zur Vorbeugung von Krisen immer geringer wurde.

Die Financial Times schreibt, dass das Problem in der monetären Lockerung besteht, welche dazu tendiert die Infrastruktur einzufrieren. Aus der österreichischen Sicht (Von Mises, Schumpeter oder Hayek) förderte die japanische Blase, die 1990 platzte, wirtschaftliche Verzerrungen und „Fehlinvestitionen".

Die lockere Geldpolitik in Japan hat dazu geführt, dass der Prozess, den Joseph Schumpeter die kreative Zerstörung nannte, einfach ausblieb, weil „Zombie-Unternehmen" künstlich am Leben erhalten wurden und somit der Wettbewerb eingeschränkt wurde. Staatlich garantierte Kredite sorgten für das Überleben von Unternehmen, die auch heute noch nicht wettbewerbsfähig sind.

Japan hätte sich die ganzen Rettungsaktionen sparen können. Europa könnte von Japan lernen, wenn es wollte.

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