By Roger | November 6, 2012 12:33 AM CET

Auswanderungswelle Europa: Junge suchen Arbeit in ehemaligen Kolonien

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Auswanderungswelle Europa: Junge suchen Arbeit in ehemaligen Kolonien

Anstatt auf bessere Zeiten zu warten, entschloss sich Tatiana Almeida (26, ausgebildete Journalistin) einen Job in Ost-Timor zu suchen und wurde promt fündig. "Eine große, dunkle Wolke überzieht Portugal... Es gibt keine wirkliche Zukunft für meine Generation ", sagte Almeida zu CNBC.

Auf dem Weg zum Arbeitsamt, irgendwo in Griechenland

Die mutige Frau kaufte sich ein Ticket nach Dili, der Hauptstadt von Ost-Timor. Zwei Wochen nach ihrer Ankunft fand sie einen Job als Kommunikationsberaterin in einem Museum in Ost-Timor. "Ich fand Hoffnung in Ost-Timor", sagte sie. "Ich will in absehbarer Zeit nicht zurück nach Portugal."

Almeida ist nur eine von vielen jungen Europäern, die aus wirtschaftlicher Not ihr Glück und ihre Zukunft ausserhalb der EU suchen. Auf die wortreichen Versprechungen ihrer Politiker, das wissen die meisten jungen Europäer, ist ohnehin kein Verlass.

Da die Jugendarbeitslosigkeit in Europa immer weiter ansteigt, zieht es junge Spanier nach Lateinamerika und nach Miami, wo die spanischsprachigen Gemeinden bereits die englischsprachigen überholen. Portugiesen versuchen nach Brasilien, Angola und Ost-Timor zu fliehen. Junge Iren und Griechen suchen in Australien eine neue Zukunft. Dort haben sich bereits große Diaspora-Gemeinden gebildet.

Will man den Statistiken glauben, so ist eine volle Auswanderungswelle im Gange. Nach Angaben von Eurostat-Daten sank im zweiten Quartal in Irland die Zahl der 20 - bis 29-Jährigen um 8,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, in Spanien um 4,3 Prozent und in Portugal um 3,5 Prozent.

Laszlo Andor, der europäische Kommissar für Beschäftigung, hat bereits Anfang Jahr die Jugendlichen in der Europäischen Union dazu aufgefordert, ihr Heil jenseits der Grenzen von Schengen zu suchen: "Wenn wir mehr Chancen für die jungen Menschen schaffen wollen, müssen wir auch an Möglichkeiten in anderen Länder denken."

Im Vergleich zu 2009 nahm die Zahl der neuankommenden Griechen in Australien um 21 Prozent auf rund 4.000 Personen zwischen Mai und November 2011 zu.

Die Zahlen von Irlands Central Statistics Office im April zeigten, dass mehr als 3.000 Iren das Land jeden Monat verlassen. Das ist die höchste Zahl seit der Hungersnot zwischen 1845 und 1852!

Nach dem Economic and Social Research Institute werden für 2011 und 2012 insgesamt 100.000 Nettoabwanderungen aus Irland erwartet. Dabei ist Australien die wichtigste Destination.

Der portugiesische Ministerpräsident Pedro Passos Coelho hat bereits im letzten Jahr seine Verzweiflung über die Situation in seinem Land zum Ausdruck gebracht, indem er sagte, dass die einzige Lösung der steigenden Jugendarbeitslosigkeit einer "verlorenen Generation" darin besteht, zu emigrieren. Er schlug vor, nach "Angola, und nicht nur Angola," zu gehen und betonte die Möglichkeiten in Brasilien. Die Portugiesen scheinen diesem Aufruf gefolgt zu sein. Die Regierung berichtete, dass die portugiesische Bevölkerung in Brasilien zwischen 2010 und 2011 um 20 Prozent zunahm.

Auf der anderen Seite suchen die junge Brasilianer nun nicht mehr nach besseren Chancen im Ausland. Von 2005 bis 2010 nahm die Zahl der Brasilianer, die im Ausland leben von geschätzten 4 Millionen auf 2 Millionen ab. Im Gegensatz zu Europa boomt die brasilianische Wirtschaft.

Die Zahl der ausgewanderten Spanier in Lateinamerika belief sich im Jahr 2011 auf ungefähr 370.000. Das sind laut Reuters etwa 10-mal mehr als noch im Jahr 2008.

"Spanien verliert eine ganze Generation," sagte Alexis Cogul Lleonart, ein 30-jähriger spanischer Architekt. Sein eigenes Architekturbüro wurde von der Immobilienkrise schwer getroffen. "In weniger als 6 Monaten wurden 9 von 10 Projekten, an denen ich arbeitete auf Eis gelegt. Alle Kunden schickten die gleiche Botschaft: ‚Wir wissen nicht, was passieren wird, so dass wir warten müssen, und wir können jetzt nicht bezahlen'," sagte Lleonart.

Als klar wurde, dass sich die Situation in Spanien "mehr ums Überleben als um Möglichkeit" drehte, sagte Lleonart, konnte er nicht mehr seine beruflichen Ziele wählen und verfolgen. So packte er seine Koffer und zog nach Miami, Florida, wo er eine neue Firma gründete.

Obwohl er immer noch rund um die Uhr arbeitet wie in Spanien, ist er hoffnungsvoll. "In den USA kann ich die Gelegenheiten wahrnehmen und als Architekt wachsen, etwas, das in Spanien nicht möglich war", sagte er.

Quelle: CNN

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John Wasik / Reuters
Auf dem Weg zum Arbeitsamt, irgendwo in Griechenland
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