By Roger | October 25, 2012 3:59 PM CEST

Dramatische Eskalation in Gaza

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Dramatische Eskalation in Gaza

Diejenigen von uns, die lange von einem palästinensischen Staat geträumt haben, können aufhören zu träumen. Der Palästinenserstaat ist bereits Realität! Zwar wird der von der Hamas regierte Gazastreifen international (noch) nicht als souveräner Staat anerkannt, doch hat er bereits eine voll funktionierende Verwaltung.

Scheich Hamad bin Khalifa al-Thani, der Emir des Katar, auf Staatsbesuch in Gaza

Am Dienstag durfte der Gazastreifen sogar seinen ersten offiziellen Besuch eines ausländischen Staatsoberhaupts mit voller Glanz und Gloria zelebrieren. Scheich Hamad bin Khalifa al-Thani, der Emir von Katar, kam zu Besuch.

Der Emir brachte auch Geschenke mit: Er kündigte ein Hilfspaket im Umfang von 400 Milliarden Dollar an. Ein Teil der großzügigen Spende wird in Wohnungsprojekte fließen, wie die israelische Tageszeitung Israel Hayom berichtete.

Israel verhindert die Versorgung des Gazastreifens mit Baumaterialien, „da militante Gruppen in Gaza sie für den Bau von Leitungen oder in Angriffen auf südisraelische Dörfer benutzen könnten," schreibt IsraelNetz. Um diese israelische Blockade zu durchbrechen, plant der Katar die Materialien über die ägyptische Grenze einzuschleusen.

Mit anderen Worten, hier weht deutlich der Wind des "Arabischen Frühlings."

Zu sagen der Katar spiele ein doppeltes, ja sogar ein dreifaches geopolitisches Spiel, würde der Vielseitigkeit der Situation nicht gerecht werden. 1.) Der Katar beherbergt eine große US-Airbase mit Tausenden von US-Soldaten. 2.) Der Katar ist einer der wichtigsten Unterstützer der Rebellen in Syrien. 3.) Der Katar unterhält zudem enge Beziehungen mit dem schiitischen Iran, einem entscheidenden Verbündeten des Assad-Regimes. 4.) Gleichzeitig ist der Katar ein wichtiger Verbündeter der sunnitischen Muslimbruderschaft und unterstützte die Aufstände in Libyen, Tunesien und in Ägypten.

Und genau hier kommt aus israelischer Sicht der "Arabische Frühling" ins Spiel: Während der von der Hamas regierte Gazastreifen bereits ein ernsthaftes Sicherheitsproblem für Israel darstellt, kann die Möglichkeit einer Allianz zwischen dem Katar, dem von der Muslim-Bruderschaft regierten Ägypten und dem Gazastreifen gegen Israel alptraumhafte Züge annehmen.

Und all dies, während der Iran weiterhin der Hauptförderer des Gazastreifens bleibt, aber mit wachsender Konkurrenz aus dem sunnitisch-islamistischen Block.

Auf jeden Fall haben die Israelis, die in der Nähe des Gazastreifens leben, den Beginn des palästinensischen Staates von Gaza nicht gefeiert. Am Dienstag Abend, sobald Scheich Hamad aus Gaza abgereist war, starteten die Islamisten ein „Raketen-Trommelfeuer" gegen Israel.

Zwar war der Beschuss Teil eines allgemeinen Austausches von Feindseligkeiten, da am Dienstag Morgen ein israelischer Kompaniechef von einem Sprengsatz entlang des Grenzzauns zum Gazastreifen schwer verwundet wurde. Aber am Dienstag Abend begann eine dramatische Eskalation mit einer wahren Flut von Raketen aus dem Gazastreifen. Insgesamt 80 Raketen und Mörsergranaten gingen auf zivile israelische Ziele nieder. Dabei wurden mehrere Menschen schwer verletzt. Eltern erzählten, sie hätten sich vor ihre Kinder geworfen, um diese mit ihren Körpern zu beschützen. Die Bewohner des südlichen Israels erleben derzeit einen wahren „Kriegszustand".

In anderen Worten, Gaza zeigt nun, mit dem Katar und der Muslimbruderschaft in Ägypten als Geldgeber, neuen Elan und neue Zuversicht im Kampf gegen den Erzfeind Israel.

Wie immer stehen Israel keine attraktiven Optionen in Bezug auf Gaza offen. Die Operation Gegossenes Blei von 2008-2009 hatte der Hamas zwar schwere Schläge zugefügt, doch konnte die Hamas sich wieder aufrichten. Israel wird nur sehr ungern den Gazastreifen mit seiner jugendlichen und feindlichen Bevölkerung wieder besetzen. Doch eine Fortsetzung des Status quo würde bedeutet, wenn nicht schlimmer, dass die Feindseligkeiten aus dem Gazastreifen weiterhin das Leben der Zivilbevölkerung im südlichen Israel erschüttern wird.

Am Mittwoch Abend wurde berichtet, dass am Dienstag Abend, eine Waffenfabrik in der sudanesischen Hauptstadt Khartum von vier Flugzeugen bombardiert wurde. Quellen im Sudan behaupteten, die Fabrik gehörte den iranischen Revolutionsgarden.

Hatte Israel einen Weg gefunden, um die Eskalation im Gazastreifen zu rächen und dem Iran eine Nachricht zukommen zu lassen, ohne Gaza selbst anzugreifen? Israelische Beamte darunter Verteidigungsminister Ehud Barak haben dies weder bestätigt noch geleugnet.

Jedoch dürfte klar geworden sein, dass Israel, mit so vielen Gegenspielern, nicht mehr länger passiv bleiben darf.

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