By Roger | July 2, 2012 12:45 PM CEST

Yitzhak Shamir - ein kleiner, großer Mann

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Yitzhak Shamir - ein kleiner, großer Mann

Er hatte es faustdick hinter den Ohren, das sah man ihm gleich an. Schlau, liebenswürdig im Auftreten und doch gleichzeitig einer, der beinhart sein konnte, wenn es darauf ankam. Und es kam oft darauf an im Leben des Yitzchak Shamir.

Yitzchak Shamir – ein kleiner, großer Mann

Yitzhak Shamir, der im Alter von 96 verstarb, wurde (nach David Ben-Gurion) Israels am zweit längsten amtierender Premierminister und vielleicht der am meisten rechtsgesinnte Führer der Landes.

Shamir wurde in der kleinen Stadt Ruzinoy in Polen (heute Ruzhany, in Weißrussland) geboren. Er besuchte eine hebräische Schule in Bialystok, wo sein Vater Lehrer war, danach studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Warschau. 1935 emigrierte er nach Palästina, welches damals noch von den Briten verwaltet wurde.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden Shamirs Mutter und seine Schwester im Holocaust getötet. Trotzdem nahm er in seinen Reden nur selten Bezug zum Holocaust.

Im Kampf um den Staat Israel stand er an vorderster Front, und als er Ministerpräsident war, erkannte er schnell die Fallstricke, die im sogenannten Friedensprozess lauerten. Sich selbst zu belügen, das wusste er, kann mitunter tödlich sein. Zeitlebens war er davon überzeugt, dass die Araber sich nie mit der Existenz des jüdischen Staates abfinden würden. Dafür wurde ihm selbstredend das Etikett "Hardliner" angepappt.

Tage nachdem Shamir Premierminister wurde, brach der Aktienmarkt in Tel Aviv ein. Seine Sofortmaßnahmen gelangen nur teilweise. Die stockende Wirtschaft und die Enttäuschung über den Einmarsch in den Libanon, beraubte ihn eines totalen Sieges in den Wahlen von 1984 und zwangen ihn in eine Koalition mit Arbeiterpartei Shimon Peres.

Das zeigte sich auch, als er mit Shimon Peres eine Regierung der nationalen Einheit bildete und auf dem Posten des Regierungschefs rotierte. Shamir war eben ein Demokrat, im Gegenzug zu einem Mahmoud Abbas, der heute ohne demokratische Legitimation als "Palästinenserpräsident" durch die Welt tingelt und nicht daran denkt, Wahlen abzuhalten.

Im Frühjahr 1991 gewann er aus den USA erhebliche Zustimmung weil er Vergeltungsmaßnahmen gegen den Irak unterliess, die möglicherweise die Zerstörung der Anti-Saddam-Koalition zur Folge gehabt hätten. Damals wurden israelische Städte mit Saddams Scud-Raketen beschossen.

Im gleichen Jahr, nahm er widerwillig an Friedensgesprächen in Madrid mit Israels arabischen Nachbarn und den Palästinensern teil. Ironischerweise wurde dieser rechtsextreme israelische Premier der erste, der offen mit Palästinensern verhandelte, und damit den historischen Prozess der Anerkennung der PLO durch Israel in Gang setzte.

Er ruhe in Frieden.

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Dan Williams / Reuters
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