By Roger | June 28, 2012 9:04 PM CEST

Europas Politiker spielen mit dem Feuer

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Europas Politiker spielen mit dem Feuer

Die Weltwirtschaft steht heute an der Schwelle zu großen Veränderungen. In Europa droht eine sich anbahnende Krise den gesamten den Kontinent in zwei konkurrierende Blöcke zu spalten. Während sich die Staats-und Regierungschefs in einem Spiel mit hohen Einsätzen gegenüberstehen, sieht der Rest der Welt machtlos zu, wie sich das langsame Zugunglück entfaltet.

Papiergeld und Gold

Politische Führer auf beiden Seiten des Atlantiks begreifen die Fragilität der aktuellen Weltordnung nicht und verstehen auch die Kräfte nicht, die dahinter stecken. Eine Parallele kann hier mit der politischen Situation, die am Vorabend des Ersten Weltkrieges aktuell war, gezogen werden. Die meisten europäischen Führer waren nicht auf Tod und Zerstörung aus. Allerdings waren diese weitgehend normalen Männer in nationalen Wahnvorstellungen und einem komplexen System von Bündnissen und Verträgen gefangen, die sie in ihren logischen Schlussfolgerungen nicht einordnen konnten. Dies führte zu einer Situation, wo ein einziger Mord genug war, um den Kontinent in ein Blutbad stürzen.

Obwohl wir nicht an der Schwelle eines Dritten Weltkrieges stehen, sind die Staats-und Regierungschefs heute dennoch mit wirtschaftlichen und finanziellen Bedingungen von ähnlichen Dimensionen konfrontiert. Konfrontiert mit wirtschaftlichen Problemen, die sie nicht verstehen und politischen Problemen, die nicht zu entwirren sind, hoffen sie, die bestehenden Probleme durch das Gießen immer größere Mengen an gedrucktem Geld zu lösen. Und so wie die Staats-und Regierungschefs vor dem Ersten Weltkrieg den massiven Verlust an Menschenleben nicht voraussehen konnten, so scheinen auch die heute führenden Politiker der Welt blind zu sein für die Folgen der ungehemmten Geldschöpfung und der dringenden Notwendigkeit von Reformen des freien Marktes.

Das letzte Woche stattgefundene G20-Treffen war ein Beispiel dafür. Obwohl in der Konferenz hoch klingende Diskussionen stattfanden, wurden nur wenige wirksame Maßnahmen beschlossen. Inzwischen bewegt sich die Weltwirtschaft unaufhaltsam in Richtung Rezession, und die Anglo-Amerikaner drängen auf weitere quantitative Lockerung (QE). Der US-Dollar hat einen temporären Anstieg erlebt, während Gold und Silber aufgrund der rezessiven Kräfte stagnieren.

Aber, sehr zum Verdruss der Politiker, haben alle bisherigen politischen Irrtümer und die massive Geldschöpfung einfach nicht zu den gewünschten Ergebnissen geführt. Stattdessen bleibt die Arbeitslosigkeit hoch, während die Immobilienpreise weiterhin in den meisten Teilen der Welt stagnieren, zudem ist die Moral der Konsumenten angeschlagen. Angesichts sinkender Nachfrage der Verbraucher und weiterhin hohen Steuern und regulatorischen Unsicherheiten, haben Unternehmen keinen Anlass neue Mitarbeiter einzustellen, wodruch die Arbeitslosigkeit weiter wächst.

Führende keynesianische Politiker schauen in kaum verhüllter Panik auf ihre Politik des billigen, leicht verdienten Geldes, welche bisher keine bedeutungsvolle Veränderung herbeiführen konnte. QE hat die öffentliche Glaubwürdigkeit verloren und ist in der Tat politisch gefährlich geworden. Trotzdem, wollen keynesianische Zentralbanken wie die Bank of England, die ihr 511 Mio. Dollar teures QE-Programm im Mai beendet hatte, das Bankensystem mit noch mehr Papiergeld überschwemmen, um für Unternehmen und Verbraucher Kredite zu fördern. In seiner jährlichen Rede vor Londoner Finanziers am 14. Juni, sagte Mervyn King, dass "mit Anzeichen einer Verschlechterung der Aussichten, vor allem auf den Weltmärkten, die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Lockerung der Geldpolitik wächst."

In der Zwischenzeit haben andere Zentralbanken, wie zum Beispiel die Fed und die EZB ihr verschleiertes QE in Form von 'Twist-Operationen' angelegt und ihre Anforderungen an die Qualität der Wertpapiere, die von Banken als Sicherheit für Zentralbankkredite hinterlegt werden, reduziert. Doch trotz aller Tricks, hält die sowohl alte wie auch neue schleichende Rezession an. Sie denken immer noch, die Antwort sei mehr Geld. Und in der gleichen Weise, wie die Generäle des Ersten Weltkriegs immer wieder neue Offensiven an der Front durchführten, obwohl sich jeder Angriff als nutzlos erwies, so pumpen die Politiker weiterhin Fiat-Money in die vorderen Linien.

Was sollten also die Anleger in einem solchen Umfeld tun?

Viele kaufen Edelmetalle. Sie tun dies, um sich gegen Inflation abzusichern und sich vor der Zersetzung der Währung zu schützen. Da durch die Rezession der Bedarf für sofortige Liquidität erhöht ist, werden auch Gold und Silber verkauft. Da Rezession droht, ist es wahrscheinlich, dass diese Absicherung gegen Inflation im Ausverkauf steht.

Deshalb und aufgrund der chronischen politischen Unsicherheit bleiben die kurzfristigen Aussichten für Gold und Silber volatil. Auf längere Sicht können jedoch die Preise für Edelmetalle steigen, da der versprochene Aufschwung nicht kommen wird und die Wirtschaft in eine Depression abgleiten wird. Die einsetzende politische Panik und die Angst vor einem Zusammenbruch des Fiat-Währungs-Systems sollte die Nachfrage nach solchen Vermögenswerten verschärfen, die als sicherer Hafen gesehen werden.

In einer Rezession ist Cash König. Doch wenn eine Währung sich zersetzt ist Gold König. Durch ihr Unverständnis über die Wirtschaft drohen Staats- und Regierungschefs eine Welt von verkrüppelten Währungen zu schaffen, die in einer Schockstarre stehen. Anleger sollten zunehmend auf Edelmetalle als möglicher sicherer Hafen schauen.

Quelle: http://www.ibtimes.com/articles/357554/20120628/european-leaders-play-fire.htm

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