By Roger | June 28, 2012 2:35 PM CEST

Nordkorea: "Gehirnwäsche ist die Stütze des Systems"

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Nordkorea: "Gehirnwäsche ist die Stütze des Systems"

Kim Joo-il, ehemals Offizier in der nordkoreanischen Armee, sprach im Interview mit DW über seine Flucht und die Rolle der Bildung in der Diktatur. Kim Joo-il war Hauptmann in der Koreanischen Volksarmee, als er 2005 nach China floh. Inzwischen lebt er als Asylant in Großbritannien und setzt sich von dort aus für die Menschenrechte in seiner Heimat ein.

Eine Touristenführerin spricht zu einer Gruppe nordkoreanischer Touristen in Mangjongdae, dem angeblichen Geburtsort des Kim Il-sung

Kim sagt, der standardmäßige Lehrplan in den Schulen Nordkoreas bestehe zu 60 Prozent aus Gehirnwäsche. Ein einfaches Beispiel dafür sei diese Rechenaufgabe: "Da waren zehn amerikanische Panzer. Die koreanische Volksarmee hat fünf von ihnen zerstört. Wie viele amerikanische Panzer blieben übrig?"

Doch der Unterricht sei nur ein Aspekt der Gehirnwäsche. Noch wichtiger für das Regime sei das Leben der Untertanen innerhalb von Organisationen, welches für die Schulkinder bereits im Alter von neun Jahren beginnt. „Das heißt, von diesem Zeitpunkt an leben die Kinder in Organisationen zusammen mit ihren Klassenkameraden beziehungsweise Genossen."

Über den Erfolg der Gehirnwäsche können sich die kommunistischen Machthaber alle Mal freuen. Die Menschen in Nordkorea seien wie Roboter, wenn die Regierung einen Knopf drücke, dann gehorchten sie aufs Wort: „Die Diktatur in Nordkorea funktioniert nicht nur deshalb, weil das Land von der Außenwelt abgeschottet ist. Sie funktioniert auch wegen der Erziehung, die die Einwohner von Kindheit an mitbekommen. Beides, diese Erziehung und die Isolation, führen zu einer Erstarrung des Denkens. Damit werden Neugier und Kreativität abgetötet, neue Dinge zu sehen oder auszuprobieren. Ich glaube, dass das Bildungssystem die wichtigste Säule einer Diktatur ist."

Die größte Gefahr für das nordkoreanische Regime und auch alle anderen Diktaturen „sind Leute, die das System in Frage stellen... Wenn man Grundsatzfragen stellt und sie mit anderen diskutiert, gilt man als politischer Verbrecher. Als Soldat kann man dafür ohne Verfahren hingerichtet werden."

Kim und alle anderen Nordkoreaner wurden in dem Glauben unterrichtet, dass Nordkorea eines der reichsten Länder der Welt sei. Doch aufgrund der gravierenden Wirtschaftskrise zwischen 1997 und 2000 verhungerten bis zu drei Millionen Nordkoreaner. „Da fragte ich mich: Wie können die Menschen in so einem reichen Land verhungern?"

Kim tat das einzig richtige, er entschied sich zur Flucht.

Lesen Sie hier das ganze Interview mit Kim Joo-il.

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Bobby Yip / reuters
Eine Touristenführerin spricht zu einer Gruppe nordkoreanischer Touristen in Mangjongdae, dem angeblichen Geburtsort des Kim Il-sung
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