By Roger | May 31, 2012 3:33 PM CEST

Eurokrise: Banken-Betrug kann dem Euro den Rest geben

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Eurokrise: Banken-Betrug kann dem Euro den Rest geben

Die spanische und griechische Volkswirtschaft liegen in Trümmern, Italien wird sich ihnen anschließen. Wenn die Eurozone so bleiben wird wie sie ist, dann rechnen Ökonomen damit, dass der Euro auf bis zu 0,80 USD abwerten wird.

Mario Monti, der italienische Premierminister

Die Kosten für neue Kredite der Regierungen in Europa sind auf dem Vormarsch, die Arbeitslosigkeit ist auf Rekordniveau und Investoren haben endgültig das Vertrauen nach dem verheerenden griechischen Teilhaircut verloren.

Spanische Banken bestehen darauf, dass es zu keinem Ansturm auf die Banken kommen wird. Dennoch diskutieren Minister im Geheimen darüber, so schnell wie möglich Maßnahmen zu ergreifen, um die Bankeinlagen gleich europaweit zu garantieren. Damit wollen sie einen katastrophalen Banken-Run abwenden. Es gibt Anzeichen, dass die EZB zu einem solchen Schritt bereit sein könnte.

Die Idee der Einlagensicherung für Banken ist ein Finanzbetrug, denn es ist einfach nicht möglich, dass überschuldete Staaten private Banken, die im großem Stil in ihren Staatsanleihen investiert sind, absichern können.

Die Idee dahinter ist gleichbedeutend mit einer Lösung aus der Notenpresse. Es soll möglichst so viel Geld gedruckt werden, dass sich alle in Europa wieder sicher fühlen können. Eine Einlagesicherung für alle Banken wird zu einem unmittelbaren Kollaps der Kaufkraft des Euro führen.

Abwertung scheint noch der einzige wirkliche Ausweg für die Eurozone zu sein. Eine Abwertung des Euro auf 0,80 Dollar würde die Außenhandelsbilanz einiger Mitglieder der Eurozone dramatisch verbessern. Auf der anderen Seite müssten dafür aber die Sparer bluten.

Rund um Europa ist die Situation ein wirtschaftliches Durcheinander:

Spanien

Spaniens Bruttoinlandsprodukt soll in diesem Jahr 1,8 Prozent sinken und nächstes Jahr um 0,3 Prozent steigen. Die Arbeitslosenquote wird den Projektionen zufolge auf 25,1 Prozent im kommenden Jahr steigen.

Ausländische Investoren werden spanische Staatsanleihen meiden, da diese in Richtung 7 Prozent steigen. Für die Regierung wird es immer schwerer ihre Schulden und neuen Defizite zu refinanzieren.

Da lokale Banken kaum noch Kredite vergeben, oder diese nur noch zu hohen Preisen anbieten, laufen Unternehmen Gefahr in die Insolvenz zu kommen.

Die Verbraucher verschieben große Anschaffungen und machen Abstriche bei ihren Ausgaben. Spaniens steigende Fremdkapitalkosten sind zu einer nationalen Besessenheit geworden. Taxifahrer klären ihre Kunden bereits kenntnisreich über die "Risikoprämie" bei spanischen Staatsanleihen auf.

 

Griechenland

Die griechische Arbeitslosenquote hat im Februar einen neuen Rekord erreicht und unterstreicht die Not des Landes. Griechenlands Rezession, eine der schlimmsten in der Nachkriegsgeschichte Europas, hat mehr als einen Fünftel der Menschen ohne Arbeit hinterlassen.

Griechenland wird am 17. Juni noch einmal wählen, nachdem am 6. Mai keine tragfähige Mehrheit im Parlament zustande kam, um eine Regierung zu bilden.

Euler Hermes SA, der weltweit größte Kreditversicherer, kündigte an, ab sofort keine Lieferungen von Waren nach Griechenland gegen Zahlungsausfall zu versichern. Das Fehlen von Export-Versicherungen (wenn der importierende Kunde in Griechenland nicht zahlt) verschlechtert die Aussichten des Landes weiterhin Waren aus dem Ausland einkaufen zu können. Der Versicherer, eine Tochter der Allianz, traf die Entscheidung, weil Exporte nach Griechenland "erheblich riskanter" wurden, sagte die in Paris ansässige Euler Hermes in einer E-Mail gestern.

Italien

Die Arbeitslosigkeit in Italien stieg auf 10 Prozent im März, während sie im Juli letzten Jahres noch bei 8 Prozent stand. Bei den unter 25 Jährigen stieg sie von 28 auf 36 Prozent.

Die Regierung erwartet, dass die Wirtschaft dieses Jahr um 1,2 Prozent schrumpfen wird.

Die Schuldenkrise in Europa macht Italien enorm ansteckungsgefährdet, sagte Ministerpräsident Monti am Donnerstag. Er schlug vor, die EZB solle doch Maßnahmen ergreifen, um die Fremdkapitalkosten Italiens zu senken.

Mario Monti, ein angesehener ehemaliger EU-Kommissar, der das Amt des Premierministers im November 2011 übernahm, um harte Sparmaßnahmen durchzusetzen, drückte seine Frustration über die Fremdkapitalkosten aus. Diese sind für Italien seit Mitte März 2012 gestiegen, obwohl die Prognosen für das Haushaltsdefizit deutlich unter dem EU-Durchschnitt stehen.

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