By Roger | May 24, 2012 12:53 PM CEST

Juden als Brunnenvergifter und Volksverhetzer?

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Juden als Brunnenvergifter und Volksverhetzer?

"TERRA Geographie für Nordrhein-Westfalen" heißt ein Buch zum Fach Erdkunde, das der Klett-Verlag für die Qualifikationsphase zum Abitur vertreibt. Das in Sachen Klimahysterie ohnehin schon ideologisch überladene Fach wird in diesem Machwerk um eine antisemitische Komponente erweitert, die eher in den Schulbüchern Gazas zu erwarten gewesen wäre. Denn im Kapitel "Kampf um Wasser" (Direktlink / Screenshot) erfährt der rheinische Schüler - ob er will oder nicht - wie Brunnenvergiften und Volkszersetzung heute geht, schreibt ein Blog.

Im Text des Buches heißt es, in den letzten 50 Jahren habe es weltweit 37 bewaffnete Konflikte um Wasser gegeben - allein 27 davon zwischen Israel und Syrien. Und: Der Konflikt, der zur Besetzung der Golanhöhen geführt habe, "wurde unter anderem durch den Plan Israels geschürt, Wasser schon oberhalb des Sees Genezareth abzuzweigen und in den trockenen Süden Israels zu leiten." Der Sechstagekrieg, der in Wahrheit zur Besetzung der Golanhöhen führte, und in dem drei arabische Nationen gegen Israel kämpften, findet keine Erwähnung, ebensowenig die Tatsache, das Syrien versucht hatte, die Jordanzuflüsse Dan und Banyas umzuleiten, so dass deren Wasser Israel und den See Genezareth nicht mehr erreichen konnte. Es wird statt dessen lediglich am Rande erwähnt, dass Syrien plante, "das Wasser der Golanhöhen für Bewässerungsprojekte zu nutzen - Israel bombardierte daraufhin mehrmals die syrischen Baustellen."

Israeli navy patrol boat maneuvers at the port of Ashdod June 5, 2010.

Im Folgenden wird im Buch des Klett-Verlag behauptet: "Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern beruht unter anderem auf Wasserstreitigkeiten." Kein Wort von Krieg und Terror gegen jede jüdische Präsenz auf arabischem Boden. Statt dessen empören sich die Autoren Lars Pennig und Kristian Uhlenbrock darüber, dass die Palästinenser seit dem Sechstagekrieg nur noch "Wasserempfänger, deren Wasserentnahme aus den Brunnen begrenzt und durch Wasseruhren kontrolliert wird" seien.

Das ganze gipfelt dann darin, dass das Schulbuch behauptet, Israel würde die Palästinenser durch die Vorenthaltung von Wasser quasi auslöschen wollen und nur tapfere deutsche NGO's würden dies durch die Errichtung von Brunnen verhindern.

Der Klett-Verlag erhält für sein Buch dann auch einige kritische Bemerkungen aus anderen Blogs. So schreibt Miriam Wölke in ihrem Blog, dass der Klett-Verlag offensichtlich all die Jahrzehnte verschlafen habe, in denen ständige Angriffe von Syrern auf israelische Orte unterhalb des Golan erfolgten. „Als sich die Syrer noch auf dem Golan befanden, wurde täglich heruntergeschossen. Israelis, die nur wenige Kilometer auf der israelischen Seite (am See Genezareth) leben, waren den Syrern zum Freiwild geworden."

Zum Wasserrecht der Palästinenser schreibt sie: „Die palästinensische Autonomie erhält von Israel Wasser und Strom, doch tut sich immer wieder mit der Bezahlung der Rechnungen schwer. Viele Israelis sind dagegen der Meinung, dass wenn die arabischen Terroristen wieder einmal zuschlagen, man der Autonomie einfach Strom und Wasser abdrehen sollte. Einmal geschah dies für kurze Zeit in Gaza. Leider nicht lange genug, aber Israel liess sich breitschlagen, da dem Land wieder einmal Unmenschlichkeit vorgewurfen wurde."

Der Blog "Suche im Sinai" schreibt: „Juden sind Brunnenvergifter... zumindest wenn es nach dem Klett-Verlag geht, der in Deutschland Schulbücher vertreibt."

Eine kritische Hinterfragung dürfte Lehrern und Schülern gleichermaßen - ohne entsprechendes Material - schwer fallen, daher hier die langweiligen (aber keinesfalls trockenen) und bestürzend unantisemitischen Fakten zum Thema, einer Zusammenstellung der Nichtregierungsorganisation "The Israel Project" entnommen.

Als Israel 1967 die Kontrolle über Judäa und Samaria ("Westjordanland") übernahm, hatten nur vier der 708 arabischen Städte und Dörfer Zugang zu fließendem Wasser. Inzwischen sind es 641.

Umgerechnet auf die Einwohnerzahl standen den Israelis 2011 150 Millionen Kubikmeter (MKM) Wasser, den Palästinenser 140 MKM zur Verfügung. Israels Jahresdurchschnitt pro Kopf beim Verbrauch von frischem Wasser beläuft sich auf 153 Kubikmeter; bei den Palästinensern sind es 105 Kubikmeter.

Bei Wasserverbrauch und -versorgung in Judäa und Samaria orientiert sich Israel nicht bloss an den Bedingungen, die beim Friedensprozess "Oslo II" ausgehandelt wurden, sondern liefert der palästinensischen Autonomiebehörde noch 30 Prozent mehr Wasser als vorgesehen.

In Israel werden (laut eines Berichts der Europäischen Kommission) mehr behandeltes Abwasser pro Kopf für landwirtschaftliche Zwecke verwendet als in irgendeinem anderen Land der Welt. 33 Prozent der israelischen Wasserversorgung stammen aus aufbereitetem Abwasser. Die Palästinenser dagegen lassen - trotz internationaler Spenden zu diesem Zweck - 63 Prozent ihres Abwassers unbehandelt und ungenutzt im Boden versickern.

Bis Anfang 2012 hat Israel die Anzapfung von 71 Quellen für Trinkwasserversorgung und landwirtschaftliche Nutzung genehmigt sowie 22 Quellen zur Beobachtung. Die Autonomiebehörde hat jedoch rund die Hälfte von ihnen noch nicht erschlossen.

Die Palästinenser haben das Grundwasser im Osten des Westjordanlands nicht erschlossen, obwohl das JWC jeden Antrag, es nutzbar zu machen, genehmigt hat.

Die Palästinenser haben keine Abwasseranlagen gebaut, obwohl das Interimsabkommen dies vorschreibt. Gründe dafür sind Fehlmanagement, schlechte Wartung, wasserwirtschaftliche und technische Fehler. Dies hat die Verschmutzung von Wasservorkommen sowie Umweltschäden zur Folge. So wurde zum Beispiel der Hebron-Fluss, der in Richtung des Beerscheba-Tals fliesst, verschmutzt, und die angrenzenden palästinensischen und israelischen Gemeinden leiden nun unter dreckigem Wasser, schlechten Gerüchen, Fliegen und Mücken. Der Nablus-Strom, der westwärts fliesst, ist inzwischen ebenfalls verdreckt und verschmutzt damit das Wasser im Inneren Israels. Viele andere Ströme und Flüsse sind praktisch zu Abwasserkanälen für palästinensische Städte und Dörfer geworden. Das ungereinigte Wasser verschmutzt das Grundwasser, was anschliessend das Wasser beeinträchtigt, das aus Quellen gewonnen wird. Dies hat zur Verschmutzung und Schliessung mehrerer Quellen in den Distrikten von Bethlehem und Jerusalem sowie im Jordantal geführt.

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