By Roger | May 9, 2012 3:18 PM CEST

F. William Engdahl über die unausgesprochenen Ziele der Kampagne „Kony2012"

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F. William Engdahl über die unausgesprochenen Ziele der Kampagne „Kony2012"

Der deutsch-amerikanische Publizist und Dozent F. William Engdahl schreibt in einem Artikel auf dem Votaire-Netzwerk, dass das Youtube-Video "Kony2012", welches bisher mehr als 80 Millionen Mal aufgerufen wurde, kein Dokumentarfilm, sondern „ein Werk der Propaganda ist, welches manipuliert, um den Grund für eine militärische Präsenz des AFRICOM in der mineralreichsten Region der Welt zu fördern, bevor China, und vielleicht auch Indien und Russland sich dort einnisten."

Die Gründer von Invisible Children - Bobby Bailey, Laren Poole und Jason Russell – mit Mitgliedern der Sudan Volksbefreiungsarmee (SPLA).

Obwohl zwar viele Menschen die Verurteilung des ugandischen Kriegsverbrechers Joseph Kony, welcher Kinder verschleppt und als Soldaten missbraucht hatte, begrüssen würden, verstünden nur sehr wenige die Motive und das Timing dieser Video-Kampagne der Organisation „Invisible Children".

Das Video zeigt Hollywood-Stars wie Angelina Jolie, George Clooney, Lady GaGa, Bill Gates, Bill Clinton, Sean Combs "Puff Daddy" und andere Prominente.

Im Film wird Kony als Monster und berüchtigsten Terroristen der Welt dargestellt, eine Art afrikanischer Osama bin Laden.

Dabei könnte die Nichtregierungs-Organistion „Invisible Children" nicht undurchsichtiger sein, schreibt Engdahl: „Die Gruppe, die 100 Leute beschäftigt, könnte Millionen Dollar durch dieses "Kony2012" Video ernten, aber im Moment weigerte sie sich, den Betrag der Spenden oder die Art und Weise, in der diese Mittel ausgegeben werden sollen, anzugeben."

Die Organistion wurde von Leuten gegründet, die zu einer direkten militärischen Intervention (natürlich eine humanitäre, da es ja um Kinder geht) der USA gegen die LRA aufrufen. Interesanterweise wurden genau diese „Gutmenschen" 2008 beschuldigt, mit Waffen in der Hand, Fotos mit Mitgliedern der „People's Liberation Army des Sudan" (SPLA) gemacht zu haben. Die SPLA, wen wundert's, ist eine Gruppe, der vorgeworfen wird für Vergewaltigungen und Plünderungen verantwortlich zu sein. Auch Washington Post hat darüber berichtet.

Die Organisation reagierte auf diese Offenbarung mit folgendem Statement: "Wir dachten, dass es lustig wäre, unseren Freunden und unseren Familien so eine Art Scherz-Foto zu bringen." Sie wissen, wie "Ha ha - sie haben Panzerfäuste in der Hand, aber jeder weiß, dass sie für den Frieden kämpfen". Ha ha..."

Charity Navigator, eine amerikanische Agentur für Bewertung der karitativen Organisationen, gab dieser Organisation nur zwei Sterne für ihre "Rechenschaftspflicht und Transparenz".

Aber der bizarrste Aspekt des Falles "Kony2012", so Engdahl, sei die Tatsache, dass Joseph Kony selbst aus Uganda geflohen, oder beim Fluchtversuch, vor mehr als sechs Jahren, getötet worden ist. „Man sagt, dass er in der Wildnis des Kongo oder in der Zentralafrikanischen Republik Zuflucht gefunden hätte, und in diesem Sinne er ein perfekter Doppelgänger des schwer fassbaren Osama bin Laden ist, indem er als Rechtfertigung für Militäroperationen in den reichen Regionen Zentralafrikas zwischen Uganda und der Demokratischen Republik Kongo, Süd-Sudan, der Zentralafrikanischen Republik und darüber hinaus, dient".

Bei „Kony 2012" geht es um die Frage, ob mit betrügerischer Absicht eine US-Militärintervention gerechtfertigt werde. Laut einer Menschenrechtsaktivistin, wäre die "Invisible Children"-Kampagne ein durch die US-Regierung bereitwillig angenommener Vorwand, um zu helfen, den Ausbau der militärischen Präsenz in der Zentralafrikanischen Republik zu rechtfertigen. Die Leute der „Invisible Children" sind die von der Regierung der USA verwendeten "nützlichen Idioten", die Afrika militarisieren, mehr Waffen und militärische Unterstützung senden und Stärkung der Macht der alliierten Staaten der USA bewirken wollen. Die Jagd nach Joseph Kony ist eine Entschuldigung für eine solche Strategie - es ist selten, dass die US-Regierung Millionen junger Amerikaner findet, die Militärinterventionen in einem öl-und Ressourcen-reichen Ort unterstützen".

Die laut den Produzenten von "Kony2012" in Frage stehende Region enthält nicht nur Uganda, wo ein großes Ölfeld vor kurzem entdeckt wurde, sondern auch mineralhaltige Länder, die zu den reichsten der Welt zählen - auch in der Demokratischen Republik Kongo, in der Zentralafrikanischen Republik und in der Republik, die von den USA im Süd-Sudan unterstützt wird. Interessant ist, dass seit einigen Jahren auch China in diese Region investiert.

Seit der Entdeckung durch die britische Ölfirma Tullow Oil eines schätzungsweise 2 Milliarden Barrel enthaltenden Öl-Feldes in Uganda im Jahr 2009, hat sich die geopolitische Bedeutung der gesamten afrikanischen Region plötzlich verändert. CNOOC Ltd., die größte chinesische offshore-Öl-Explorationsfirma, schuf ein Joint Venture mit Tullow Oil, um drei Ölfelder im Becken vom Albertsee in Uganda zu entwickeln.

 

Die Gründer von Invisible Children - Bobby Bailey, Laren Poole und Jason Russell – mit Mitgliedern der Sudan Volksbefreiungsarmee (SPLA).
Die Gründer von Invisible Children - Bobby Bailey, Laren Poole und Jason Russell – mit Mitgliedern der Sudan Volksbefreiungsarmee (SPLA).

 

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