By Roger | April 23, 2012 2:34 PM CEST

Der Euro und die Wahlen in Frankreich

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Der Euro und die Wahlen in Frankreich

Frankreichs Wähler sind wenig besorgt um die Eurorettung. Sie wollen einen Präsidenten, der sich für Land und Leute einsetzt. Die Märkte machen sich Sorgen, dass die Eurorettung zerplatzen wird. 

Francois Hollande vor den Wahlen

Frankreich schert aus. Die geplante Euro-Rettung muß scheitern. 20 Prozent der Franzosen wählten eine Kandidatin, die den Euro abschaffen will und 40 Prozent wählten Kandidaten, die ausdrücklich nicht sparen wollen.

Le Pen, ein Mitglied des Europäischen Parlaments, hat einen grossen Teil ihrer Kampagne gegen Europa konzentriert und hat wiederholt die engen Beziehungen zwischen Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisiert. Europa ist eine "Land-Tötungs- und Schleifmaschine, eine Maschine, die unseren Wohlstand und unsere Demokratie getötet hat", sagte sie Anhängern in Henin-Beaumont in Nordfrankreich am 15. April. Zudem sagte sie: "Der schreckliche Stabilitätspakt verurteilt uns endlos für die Länder, die Opfer des Euro geworden sind, zu zahlen."

Le Pen wird mit ihren 20 Prozent Stimmen nicht in die nächste Runde kommen. Aber entscheidend wird es wohl werden, wer die Wähler von der Le Pen am 6. Mai für sich gewinnen kann.

Wenn Hollande vor Sarkozy bei der Stichwahl gewinnen sollte, dürfte sich einiges in Europa und auch in den deutsch-französischen Beziehungen ändern, denn Hollande will keinen Fiskalpakt sondern einen Wachstumspakt. Er will nicht so strikt sparen wie „Merkozy", sondern mehr auf Wachstumsimpulse setzen.

Aber Frankreich steht auch ohnehin schon vor drastischen Umwälzungen. Sparen müssen die Franzosen, auch wenn im Wahlkampf davon keine Rede ist. Die Einkommen werden schrumpfen und die Arbeitslosigkeit wird steigen. Das Sozialsystem ist in seiner gegenwärtigen Form ist nicht mehr finazierbar. Wer immer die Geschicke des Landes vom 7. Mai an bestimmt, muss riesige Löcher stopfen. Die Gesamtverschuldung des Landes steigt und dürfte vor Jahresende die kritische Schwelle von 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen. Da werden Milliarden für die Eurorettung ohnehin nicht populär sein.

Wie Griechenland, Italien oder Spanien läuft auch Frankreich Gefahr, dass der Rückzug des Staates das bescheidene Wirtschaftswachstum abwürgt. Aus gutem Grund haben Sarkozy und Hollande nach der Europäischen Zentralbank gerufen, sie aufgefordert, mit billigem Geld die Konjunktur anzukurbeln. Das bedeutet einfach mehr Geldentwertung für alle, für Franzosen, Deutsche, Holländer, einfach für jeden.

Der Dax reagierte schon mal deutlich negativ auf die Ereignisse in Frankreich. Zum Wochenstart sank der Dax um 2,1 Prozent auf 6.608 Punkte. Viele Investoren fürchen, dass Merkel am 7. Mai ihren Mitstreiter in der Eurokrise verlieren wird. "Die französischen Wahlen enthalten eine Menge Risiken", erklärte Junichi Ishikawa, Analyst bei IG Markets Securities Ltd, gemäß einem Bericht von Welt Online. "Der Sieg von Hollande könnte das Ende der Achse 'Merkozy' bedeuten, und das würde die Anstrengungen zur Beilegung der Schuldenkrise beeinträchtigen."

Die französischen Bondrenditen waren in der vergangenen Woche gestiegen und zogen am Montag weiter an, weil am Markt befürchtet wird, dass Hollande - sollte er Staatspräsident werden - das Defizit weniger stark senken wird, erläuterte Charles Deibel, Leiter Marktstrategie bei Lloyds Banking Group Plc.

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