By Roger | April 12, 2012 8:38 PM CEST

Neues wahhabitisches Zentrum in Wien - Und wann werden wieder Kirchen in Saudi-Arabien gebaut?

mehr zu Politik

Neues wahhabitisches Zentrum in Wien - Und wann werden wieder Kirchen in Saudi-Arabien gebaut?

Der österreichische Ministerrat hat gestern das Abkommen für das „Internationale König-Abdullah-Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog" mit Sitz in Wien ratifiziert, schreibt unzensiert.at.

Frau in Saudi Arabien

Mit der Vertragsunterzeichnung ist der Weg frei das Gemeinschaftsprojekt von Saudi-Arabien, Österreich und Spanien umzusetzen. Spätestens Mitte nächsten Jahres soll in Wien am Schottenring ein neues Zentrum eröffnet werden.

Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) erklärte im Ministerratsfoyer, Österreich unterstreiche damit einmal mehr seine Funktion als internationale Drehscheibe. Ziel des Zentrums sei es angeblich, dem Dialog von „Religionsgemeinschaften und Weltanschauungen eine dauerhafte Plattform" zu geben. Betont wurde dabei, dass das Zentrum der „Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen" sowie „der Förderung und Einhaltung der Grund- und Freiheitsrechte verpflichtet" sei.

Weil das Zentrum als internationale Organisation ähnlich wie die UNO und die OPEC errichtet wird, verzichtet das Finanzamt sowohl auf die Umsatz- als auch auf die Grundsteuer. Die acht Mitarbeiter werden außerdem diplomatischen Status haben. Dadurch hat die Polizei künftig keinen Zugang zum Gebäude mehr. Dieser Umstand stößt vor allem bei der FPÖ-Abgeordneten Susanne Winter sauer auf. „Dass ausgerechnet das strengste islamische Land der Welt ein Dialogzentrum in Wien errichten will, ist schon ein starkes Stück. Dass sich jedoch die Politiker von SPÖ und ÖVP auch noch bemüßigt fühlen, dem saudischen Umschlagplatz für islamistische Hilfsgelder Steuervorteile einzuräumen, ist ein Skandal der Sonderklasse", kritisiert Winter.

Da es sich bei den Wahhabiten um eine Sekte handelt, ist es kaum verwunderlich, dass auch von seiten der Muslime deutliche Worte der Ablehnung kamen: „Wenn die Saudis ein Dialogzentrum eröffnen, dann meinen sie nicht Dialog, sondern direkte Einmischung in ihrem Sinne", entrüsteten sich Mitglieder der Initiative Liberaler Muslime in Österreich (ILMÖ). Die Wahhabiten würden zwar nur 1 Prozent der Muslime weltweit repräsentieren, allerdings die restlichen 99 Prozent nicht anerkennen, geschweige denn nichtmuslimische Religionen, so der Tenor. Ob unter solchen Bedingungen ein wirklicher Dialog spriessen soll, erscheint eher fraglich.

Auch der Vatikan will bei der Geschichte ein Wort mitreden. Der Heilige Stuhl habe sein grundsätzliches Interesse bekundet, Beobachterstatus zu erlangen, heißt es von der österreichischen Regierung. Als Hintergrund wird eine diplomatische Ouvertüre gegenüber Saudi-Arabien des Vatikan vermutet, der in dem streng muslimischen Land endlich wieder die Erlaubnis zum Bau von Kirchen haben will.

Um ein Feedback über diesen Artikel zu geben, schreiben Sie bitte ein e-Mail an r.baettig@IBTimes.com

This article is copyrighted by International Business Times.
Bookmark

Diskutieren

Als Gast kommentieren, oder einloggen zum editieren und weiteren Funktionen.
*Name
International Business Times Secutiry Check
Bestätigungs-Code