By Roger | April 5, 2012 3:48 PM CEST

Spaniens Todesspirale und die Heuchelei der Eurorettung

mehr zu Politik

Spaniens Todesspirale und die Heuchelei der Eurorettung

Jeder, der denkt, dass die Schuldenkrise in der Eurozone ausgestanden ist, sollte mal einen Blick auf die Geschehnisse in Spanien werfen. 2011 hatte Italien die unrühmliche Rolle, die größte Gefahr für den Euro darzustellen. 2012 wird Spanien die Schlagzeilen beherrschen, wie kein anderes Land.

Proteste in Spanien

Egal welche Zahlen man anschauen will, Spanien befindet sich in einer Todesspirale, ein selbstzerstörerischer Kreislauf von Rezession und Sparmaßnahmen, welcher eines der wichtigsten Mitglieder Europas in dunkle wirtschaftliche Zeiten stürzen wird.

Hier ist nur eine kurze Zusammenfassung der hässlichen Zahlen: 1.) Die Regierung in Madrid erwartet, dass die Wirtschaft im Jahr 2012 um 1,7 Prozent schrumpfen wird - die dritte Kontraktion in vier Jahren. 2.) Die Arbeitslosigkeit steigt weiter an. Sie steht nun bei 23 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit sogar bei 50 Prozent. 3.) Die Immobilienpreise stehen 22 Prozent unter ihrem Höchststand, und werden wahrscheinlich weiter fallen, vielleicht um weitere 20 Prozent oder mehr. Dies stellt einen extremen Druck auf die Bilanzen eines bereits auf wackligen Füßen taumelnden Bankensektors dar.

Die Nachfrage nach spanischen Staatsanleihen war in einer Auktion am Mittwoch schwach. Die Regierung kündigte den neuesten Sparhaushalt an, woraufhin die Renditen auf ihre Anleihen gestiegen sind, ein Zeichen, dass die Investoren vermehrtes Risko ausmachen. Die Renditen auf 10-Jahres-Anleihen sprang auf über 5,6 Prozent, den höchsten Wert seit Januar. Und warum ist das so? Nun, die Investoren gehen davon aus, dass Sparmaßnahmen die finanzielle Leistungsfähigkeit Spaniens schwächen und nicht stärken wird. Trotz seines neuen Sparhaushalt, schätzt die Regierung in Madrid, dass die Schuldenquote im Jahr 2012 von heute 68 Prozent auf neu 80 Prozent steigen wird. Einfach ausgedrückt, Spanien wird sich rückwärts entwickeln.

Mit Griechenland kann man ja so verfahren, dass dem Land einfach Sparmaßnahmen von aussen aufgebürdet werden. Griechenland hat sich ja durch verantwortungsloses Handeln den Schuldenberg Jahr für Jahr aufgetürmt und dabei noch die Unehrlichkeit besessen, falsche Zahlen an die EU zu liefern.

Ja, Spanien ist verantwortlich für seine eigenen Probleme. Aber Spanien ist nicht Griechenland! Im Gegensatz zu Griechenland ist Spaniens Geschichte nicht von fiskalischer Verantwortungslosigkeit geprägt. Seine Probleme sind ein Symptom der globalen Finanzkrise.

Spaniens Unfähigkeit, seine Währung abzuwerten oder Kontrolle über seine eigene Geldpolitik auszuübebn, wird dem Land eine echte Reduktion der Löhne und Kosten aufbürden, um die Wettbewerbsfähigkeit wieder zu erlangen.

Und was hat Spanien als Hilfe aus der Eurozone erhalten? Nicht gerade viel. Die EZB trat in den vergangenen Monaten an, um den Finanzsektor mit billigen Krediten in der Höhe von einer Billion Euro zu überfluten. Das nahm zwar den Druck vom angespannten Bankensektor und führte zu großzügigen Käufen von Staatsanleihen, welche die Senkung der Fremdkapitalkosten der Regierungen bewirkten. Doch diese Maßnahme ist nur vorübergehend und in drei Jahren müssen die Kredite wieder zurückbezahlt werden. Das ganze ist alles andere als eine echte Lösung.

Sobald sich die Situation in Spanien verschlechtern wird, erhöhen sich die Chancen des Landes, ein Rettungspaket zu bekommen. Dies dürfte Schockwellen durch die gesamte Weltwirtschaft senden.

Aber auch wenn Spanien nie ein Problem mit seiner Zahlungsfähigkeit haben wird, ist doch das Schicksal des Landes ein Armutszeugnis für Europas Experiment mit einer gemeinsamen Währung. Die dramatischen wirtschaftlichen Folgen der Währungsunion sind jetzt nach nur gerade mal 10 Jahren deutlich erkennbar. Und noch immer vertreten viele gutgläubige Europäer eisern die Meinung, dass es beim Euro doch gar nicht um die Wirtschaft gehe, sondern dass dieses Experiment vielmehr "Frieden und Demokratie" in Europa vermitteln soll.

Die Antwort darauf ist schockierend einfach: Der Euro versagt doppelt! Einerseits hat es die Währungsunion nicht geschafft, die wirtschaftliche Schlagkraft Europas zu stärken, so dass wir etwa mit den USA oder den aufstrebenden Schwellenländern konkurrieren könnnten, wir hinken nur müde hinterher und müssen die Chinesen um Geld anbetteln.

Und wo ist die angebliche Vermittlung von Frieden und Demokratie in Europa? Was wir heute erleben müssen ist ein zunehmend undemokratisches Europa. Um seine Gemeinschaftswährung zu erhalten, werden irrationale Schritte durch anmaßende Nachbarn verlangt. Gewählte Regierungen werden abgesetzt und durch nicht gewählte Technokraten ersetzt.

Das ist eine Art von "Frieden und Demokratie" auf die wir gerne verzichten können.

Um ein Feedback über diesen Artikel zu geben, schreiben Sie bitte ein e-Mail an r.baettig@IBTimes.com

Copyright 2010 Thomson Reuters. All rights reserved.
Bookmark

Diskutieren

Als Gast kommentieren, oder einloggen zum editieren und weiteren Funktionen.
*Name
International Business Times Secutiry Check
Bestätigungs-Code