By Roger | January 25, 2012 3:11 PM CET
Wie Iraner auf die neuen EU-Sanktionen reagieren
Wie Iraner auf die neuen EU-Sanktionen reagieren
Inside Iran hat gestern einen Artikel publiziert, indem mehrere Iraner ihre Meinung über die neuen Sanktionen der EU äußern. Die Autorin des Artikels soll außer Landes leben. Die richtigen Namen der interviewtden Personen wurden aus Sicherheitsgründen nicht genannt.

Die iranische Währung Rial verlor nach dem Beschluss von EU-Sanktionen sofort an Wert. Sie erlebt seit Monaten ein Rekordtief nach dem anderen. Für die Iraner wird der Wechselkurs ihrer eigenen Währung immer mehr zum Problem, da das Land alltägliche Güter importieren muss. Die Wut der Iraner ist in erster Linie nicht gegen die EU sondern gegen die eigene Regierung gerichtet.
Reza Javadi, Teppichhändler: „Alles stagniert. Alle haben Angst. Man spürt die Ruhe vor der Katastrophe. Bis gestern habe ich noch mit Leuten gesprochen, die sagten, dass noch alles in Ordnung ist. Aber nach dem Ölembargo der EU haben die Leute wirklich Angst bekommen."
Negar Rouhi, Autorin und Übersetzerin: „Ich übersetze in meinem Büro jeden Tag viele Dokumente von Studenten, die miteinander darum wetteifern, das Land zu verlassen. Mehr denn je kann ich dieser Tage die Angst und das Misstrauen in ihren Gesichtern sehen. Sie wollen nicht glauben, dass die Währungskrise ernst wird. Aber mit den EU-Sanktionen kann der Dollarkurs nicht fallen."
Mansour, 30 Jahre, aus Teheran, hat nach Bekanntwerden des EU-Ölembargos Angst. „Ich würde gern wissen, warum Ahmadinejad, der sonst immer zu allem und jedem etwas zu sagen hat, jetzt schweigt. Sicher wird er sagen, dass diese Sanktionen keine Auswirkungen auf die iranische Wirtschaft haben werden. Dabei haben wir heute gesehen, dass allein die Nachricht über Aktionen zu einer Teuerung vieler Produkte geführt hat. Die Sanktionen haben noch nicht einmal begonnen! Bis Mitte Juli werden die Sanktionen dazu geführt haben, dass uns die Devisenreserven ausgehen, und dann wird der Druck auf die Bevölkerung noch stärker. Khamenei sollte in den nächsten Tagen aus seinem Haus in der Palästina-Straße kommen und uns unser Schicksal erklären."
Sajdeh Hosseini, ein Vater aus Teheran, hat eine Tochter, die an Multipler Sklerose erkrankt ist. Er muss etwa 500 Dollar pro Monat für Medikamente ausgeben. Sein gesamtes Kapital beträgt nur 4.000 Dollar. „Meine Frage an Herrn Khamenei lautet: Warum haben Sie zugelassen, dass ein Idiot wie Ahmadinejad den Reichtum eines Landes verprasst? Was, wenn es mit uns endet wie mit Irak und dem Food-for-Oil-Programm? Was, wenn Medikamente sanktioniert werden und wir keine Medikamente für die Kranken produzieren können? Was, wenn es Krieg gibt?" Dann fügt er noch hinzu: „Mit Sanktionen, Armut und einer Regierung, die außer Gewalt nichts kennt, wird der Zustand unserer Gesellschaft sich nur weiter verschlechtern. Wir werden mehr Drogenabhängige, mehr Diebstahl und mehr Depressionen haben. Ich mache mir große Sorgen und sehe eine dunkle Zukunft für das iranische Volk. Ich weiß, dass das Regime seinen eigenen politischen Tod mit Hilfe seiner Freunde China und Russland zu verhindern versuchen wird. Aber das Volk und die Struktur der Gesellschaft werden sich von innen zersetzen. Am Ende wird niemand die Verantwortung übernehmen, genau wie damals zu Zeiten des achtjährigen Krieges und danach."
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