By Brutus | January 6, 2012 12:48 PM CET

Inside Job: Charles Ferguson im Interview über die Ursachen der Finanzkrise

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Inside Job: Charles Ferguson im Interview über die Ursachen der Finanzkrise

Charles Ferguson gewann 2011 den Oskar für den besten Dokumentarfilm. Mit "Inside Job" erhob er eine brennende Anklage gegen die Wall Street und ihre Rolle in der Entstehung der Finanzkrise von 2008. Dabei scheute sich der Filmmacher nicht davor, unbequeme Fragen zu stellen.

"Inside Job"- Charles Ferguson im Interview über die zwielichtige Rolle der Finanzbranche

Sein erster Film "No End in Sight", der ebenfalls für den besten Dokumentarfilm nominiert wurde, war eine vernichtende Aufdeckung der Inkompetenz hinter dem Irak-Krieg.

Charles Ferguson wird von Adam Lashinsky, Senior Editor beim Fortune-Magazin interviewt.

Charles Ferguson: „Ich muss sagen, wie wahrscheinlich sehr viele Leute, war ich zu Anfang sehr optimistisch, dass Barack Obama, nachdem er gewählt wurde, etwas gegen das ganze unternehmen würde." Er hätte historisch betrachtet die Möglichkeit gehabt etwas zu verändern, aufgrund der überwältigenden Zustimmung, die er beim Großteil der Bevölkerung aber auch im Kongress genoss. „Es war enorm enttäuschend zu sehen, wie er die selben Leute in sein Regulierungs-Team berief, die die Finanzkrise mitverursacht hatten oder sehr unethische Dinge taten." Ferguson sagte, dass einigen dieser Leute der Prozess gemacht werden sollte.

Adam Lashinsky: "Können Sie erklären, was Sie damit meinten, als Sie sagten, dass die Finanzkrise 2008 kein Unfall war?"
Charles Ferguson: Die Finanzbranche sei kaum reguliert gewesen. Dadurch sei eine Krise praktisch heraufbeschworen worden. Die Finanzkrise ist durch zwei grobe Fehler der Finanzbranche entstanden. Der eine ist die absurde Überdehnung des Leverages. Lehman Brother arbeitete beim Höhepunkt der Blase mit einem Leverage-Effekt von 35:1. Das bedeutet, dass ein Rückgang von nur 3 Prozent des Basiswertes eine komplette Auslöschung des Investitionswertes zur Folge hat. Der andere Fehler sei die Tatsache gewesen, dass Banker immer kurzfristigere Investitionen machten, die sehr langfristige Auswirkungen hatten, für die sie nicht zur Verantwortung gezogen wurden.

Adam Lashinsky: "Welche Löhne würden Sie in der Finanzbranche regulieren? Oder welche Art von Regulierungen würden Sie angehen?"
Charles Ferguson: „Als erstes würde ich die Bezüge des Top-Management regulieren." Dazu müssten die Bezüge aller Mitarbeiter reguliert werden, die im Namen der Firma hohe Risiken eingehen können. Die Boni sollten den Mitarbeitern jederzeit auch wieder weggenommen werden können.

Adam Lashinsky: "Also, Sie sagen, man sollte die Macht der Firmeneigentümer in die Hand der Regulierer geben. Ist das nicht unamerikanisch oder zumindest un-kapitalistisch?"
Charles Ferguson: „Es ist in gewisser Weise so. Es ist aber eine Antwort auf die extrem un-kapitalistische Art und Weise wie einige Leute die Finanzinstitute in diese Krise führten.... Wir lassen nicht zu, dass jeder der will, eine unbestimmte Menge Sprengstoff kaufen kann. Ein Passagierflugzeug kann auch nicht von jedem geflogen werden. Wenn Sie betrunken sind und eine Boeing fliegen wollen, dann werden Sie gefeuert."

Adam Lashinsky: "Was halten Sie von TARP?"
Charles Ferguson: TARP war das Programm, mit dem 700 Milliarden US-Dollar aufgewendet wurden, um die Finanzindustrie zu stabilisieren. Diese Gelder wurden teilweise direkt in die Banken gegeben, oder dazu verwendet, um Wertpapiere zu kaufen, die die Banken am Markt nicht mehr verkaufen konnten. Ferguson hält die Entscheidung das TARP-Programm ins Leben zu rufen, für richtig. Es sei gewiss eine dringende Situation gewesen. Jedoch hätten zwei Aspekte von TARP Probleme verursacht. Erstens ist die ganze Unterstützung nur zu den 10 bis 20 Prozent Reichen der Bevölkerung gelangt. „Es gab sehr wenig Unterstützung für Leute, die plötzlich ihr Haus oder ihre Arbeit verloren hatten." Zweitens wurde diese Unterstützung gegeben, ohne dass ernsthafte Bedingungen für die Rückgabe gestellt wurden. „Die Boni der Investmentbanker erzielten 2009, inmitten der Krise, neue Rekorde. Das ist doch sehr erstaunlich." Alle diese Firmen konnten nur dank staatlicher Unterstützung überleben. „Das Signal, dass der Staat die Finanzdienstleistungen regulieren will, wurde damit nicht gesendet. In Wahrheit wurde genau ein gegenteiliges Signal gesendet: Ihr könnt weiter machen wie bisher, und müsst dafür keine Strafe fürchten."

Ein weiteres Problem sei, die Art und Weise, wie heute Regulierungen heute gemacht werden. Es gibt Firmen, die in den späten 1980er Jahren von Universitätsprofessoren gegründet wurden, die sich darauf spezialisiert haben, die Bundesregierung über neu zu erstellende Gesetzestexte zu beraten. Diese Firmen setzen heute mehrere Hundert Millionen Dollar um. Die ehemaligen Uni-Professoren verdienen mit ihren Consulting-Aktivitäten in Washington Honorare, die 5 bis 25-fach höher sind, als ihre Einkommen bei der Uni.

The Commonwealth Club
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