By Roger | November 24, 2011 4:41 PM CET
Wie halten es die Deutschen mit der Freiheit?
Wie halten es die Deutschen mit der Freiheit?
Das ist die Ausgangsfrage eines Forschungsprojekts des John Stuart Mill Instituts (JSMI). Ist den Bürgern Selbstbestimmung wichtiger als soziale Gleichheit oder überwiegt das Sicherheitsbedürfnis? Was erwarten sie vom Staat? Soll er sich heraushalten aus ihrem Alltagsleben oder sich stärker kümmern? Soll er neue Verbote einführen oder alte lockern?

Um diese Fragen zu klären, wurde der Freiheitsindex entwickelt, welcher den Zustand der politischen und der individuellen Freiheit in einem Indikator abbildet. Der Freiheitsindex kann zwischen - 50 und + 50 schwanken, wobei ein Wert über Null ein Übergewicht der Freiheit im Vergleich zu konkurrierenden Werten und gesellschaftlichen Zielen symbolisiert, ein Wert unter Null steht für eine vergleichsweise schwächere Position des Wertes der Freiheit.
Der Index setzt sich aus drei Teilindices zusammen, die sich im Einzelnen wie folgt errechnen: Der erste Teilindex beruht auf Umfrageergebnissen und repräsentiert den gesellschaftlichen Stellenwert der Freiheit. Die Ergebnisse lagen im Durchschnitt 7 Punkte im Plus. Das heißt also, dass der gesellschaftliche Stellenwert der Freiheit größer ist, als die Forderung nach mehr Staat.
Auch der zweite Teilindex beruht auf Umfrageergebnissen. Er repräsentiert das Maß der von der Bevölkerung subjektiv empfundenen Freiheit. Kann man seine Meinung in Deutschland frei äußern? Wie frei fühlen sich die Menschen persönlich? Auch dieser Teilindex (+6) liegt über der Null-Linie und zeigt an, dass sich die Mehrheit der Menschen in Deutschland wohl recht frei fühlen.
Der dritte Teilindex schließlich repräsentiert die Bedeutung der Freiheit in der Medienberichterstattung. Dazu wurden mehr als 2.000 Beiträge aus Tageszeitungen (Die WELT, FAZ, Sueddeutsche und Der SPIEGEL) ausgewählt. Erstaunlicherweise liegt der Durchschnitt dieses Teilindexes bei - 22. Auffällig ist der Kontrast zwischen dem Ergebnis des Teilindexes 3 und dem parallel dazu konstruierten Teilindex 1: Während die Bevölkerung dem Wert der Freiheit alles in allem ein etwas höheres Gewicht beimisst als den konkurrierenden Werten und Zielen, wird er in der Berichterstattung deutlich in den Hintergrund gedrängt. Mit anderen Worten: Bei der Berichterstattung der Massenmedien wird den Lesern suggeriert, dass der Staat sich um das Glück seiner Bürger kümmern muss.
Die Studie schließt mit einem Zitat von Gilt Wilhelm von Humboldt aus dem Jahr 1792 (Über die Grenzen der Wirksamkeit des Staates): „Wer oft und viel geleitet wird, kommt leicht dahin, den Überrest seiner Selbsttätigkeit gleichsam freiwillig zu opfern. Er glaubt sich der Sorge überhoben, die er in fremden Händen sieht und hat genug zu tun, wenn er ihre Leitung erwartet und ihr folgt. Noch mehr aber leidet durch eine zu ausgedehnte Sorgfalt des Staates die Energie des Handelns überhaupt, und der moralischen Charaktere."
Lesen Sie hier die ganze Studie.
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