By Roger Baettig | July 4, 2011 12:18 PM CEST

Volkswagen sichert sich MAN für seine LKW-Allianz

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Volkswagen sichert sich MAN für seine LKW-Allianz

Der VW-Konzern hat durch die Offerte an die MAN-Aktionäre seinen Anteil erfolgreich ausbauen können. Damit steht der Schaffung einer Lkw-Allianz nur noch die Zustimmung der Wettbewerbshüter im Weg. VW möchte bis 2018 größter Autobauer der Welt werden.

VW holt sich den Lkw-Hersteller

Volkswagen hat sich die Mehrheit an dem Lastwagenhersteller MAN gesichert. Der Wolfsburger Autokonzern hält 55,9 % der MAN-Stammaktien, wie VW am Montag mitteilte. Im Mai hatte VW überraschend seine Anteile an MAN auf über 30 % erhöht und musste ein Pflichtangebot abgeben. Ferdinand Piëch zog während der ganzen Aktion auf beiden Seiten die Fäden. Der 74-Jährige ist sowohl Aufsichtsratschef von Volkswagen wie von MAN.

Doch das Übernahmeangebot für den Lastwagenhersteller hatte nie zum Ziel, besonders viele Aktien einzusammeln. Die Wolfsburger wollten nur die Kontrolle über MAN, und dafür wollten sie möglichst wenig Geld ausgeben.

VW strebte zwischen 35 bis 40 % an und hielt daher das Angebot mit 95 Euro je Aktie ziemlich knausrig. Dies stieß zunächst nur auf verhaltene Gegenliebe. Doch dann fiel der MAN-Kurs, und das Angebot wurde plötzlich attraktiv. Händler haben wohl die Papiere günstig gekauft und dann zum Angebotspreis von 95 Euro an VW weitergeleitet.

MAN hat die Übernahme durch Volkswagen begrüßt. „Unsere Aktionäre haben sich entschieden: MAN wird zur VW-Familie gehören", sagte ein Sprecher am Montag in München. Ein neues Kapitel in der 253-jährigen Geschichte des Unternehmer wird jetzt aufgeschlagen: „Die sich daraus ergebenen Chancen werden wir aktiv nutzen." Die Wolfsburger Pläne für eine LKW-Allianz mit der schwedischen VW-Tochter Scania würden aus München vollständig unterstützt. „Unser Anspruch daran ist klar: Wir wollen gemeinsam Potenziale heben", sagte der Sprecher.

Volkswagen will MAN und Scania, an der die Wolfsburger knapp 71 % der Stimmrechte halten, zu einer schlagkräftigen Lkw-Allianz zusammenführen. Kooperationen bei Einkauf, Entwicklung und Produktion sollen MAN und Scania Kostenvorteile von 200 Mio. Euro im Jahr bringen.

Mit der Übernahmen kommt Europas größter Autobauer seinem Ziel einen entscheidenden Schritt näher. VW-Chef Martin Winterkorn zeigte sich am Montag "mehr als zufrieden" mit dem Ergebnis. VW wolle nun in Abstimmung mit den Kartellbehörden die gesetzlich notwendige Freigabe der Allianz vorantreiben.

Experten hoben die Vorteile der hohen Beteiligungsquote hervor. VW könne MAN künftig in seine Bilanz einrechnen und den Gewinn anteilig einstreichen, sagte Marc-Rene Tonn vom Bankhaus M.M. Warburg. In einem späteren Schritt könnten MAN und Scania in einer Lkw-Gruppe geführt werden, an der VW nicht zwangsläufig die Mehrheit halten müsse. (1)

MAN wird eine weitere Tochter im stetig wachsenden VW-Konzern. Nach dem spektakulären Ringen um die Macht bei Porsche will VW weiter wachsen. Der Konzern soll bis 2018 größter Autohersteller der Welt werden. In China, Russland und Indien sind die Wolfsburger auf Expansionskurs, in den USA verfolgen sie mit einer gerade neu eröffneten Fabrik große Pläne.

Doch auf dem Weg an die Weltspitze gilt es noch einige Kämpfe zu bestehen. Neben der wegen juristischer Probleme schwierigen Eingliederung des Sportwagenbauers Porsche läuft auch die Partnerschaft mit dem japanischen Kleinwagenbauer Suzuki nicht so reibungslos wie erhofft. Und auch die spanische Tochter Seat ist noch immer ein Problemfall. Mit MAN kommt nun eine neue Baustelle hinzu.

(1) http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE76301O20110704

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