By Roger Baettig | June 7, 2011 6:33 PM CEST

E.ON und Gazprom reden miteinander

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E.ON und Gazprom reden miteinander

Angeblich hat Gazprom ein Auge auf Beteiligungen oder Konzernteile des größten deutschen Energiekonzerns E.ON geworfen. Gazprom-Chef Alexej Miller hatte Spekulationen über einen Einstieg genährt. Ruhrgas äußert sich dazu nicht.

Gazprom-Chef Alexej Miller hatte am vergangenen Wochenende Interesse signalisiert: Gazprom sei bereit, einen Einstieg bei E.ON-Ruhrgas zu prüfen. E.ON wollte sich bisher nicht äußern. Seit längerem ist aber bekannt, dass Gazprom seine Fühler nach Westeuropa ausstreckt. In Deutschland sind die Russen bereits mit Wingas, einem Gemeinschaftsunternehmen mit BASF, vertreten.

E.ON selbst hatte im vergangenen Jahr seine restliche Beteiligung an Gazprom verscherbelt. Den Konzern drohen Schulden von über 35 Mrd. Euro zu erdrücken. Vorstandschef Johannes Teyssen kündigte vergangenen November ein milliardenschweres Programm zum Verkauf von Beteiligungen an. Bis Ende 2013 will der Konzern so 15 Mrd. Euro einspielen. Ein Volumen von 9 Mrd. Euro hat das Unternehmen unter anderem durch die Verkäufe von Gazprom-Aktien und des britischen Stromnetzes bereits eingefahren.

Russlands Regierung unter Ministerpräsident Wladimir Putin hat immer wieder moniert, dass Unternehmen des Landes bei Vorstößen im Westen blockiert würden.

Zum Zeitpunkt gibt es offenbar noch keine Anzeichen, die auf einen Vorstoß von Gazprom hindeuten. "Uns liegt bislang keine Anmeldung vor", sagte der Sprecher des Bundeskartellamts. "Wenn sich mit Gazprom ein großer Produzent erstmals an Ruhrgas beteiligen würde, stellen sich wettbewerbsrechtliche Aspekte, die einer genauen Prüfung bedürfen", sagte am Dienstag ein Sprecher des Bundeskartellamtes. Auf Bedenken beim Kartellamt könnte die Tatsache stoßen, dass Gazprom in Deutschland bereits mit dem Chemiekonzern BASF die Gashandelstochter Wingas betreibt, einen der größten Konkurrenten von Ruhrgas.

Wirtschaftspolitiker der Regierungskoalition in Berlin halten nach einem Bericht des Handelsblatts einen Einstieg von Gazprom bei E.ON für energiepolitisch sinnvoll. Ohne Atomkraft sei Deutschland künftig noch mehr als früher an Gaslieferungen aus Russland interessiert, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Martin Lindner.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer, blies ins gleiche Horn: Ablehnende Reflexe gegen einen Einstieg von Gazprom bei E.ON seien unsinnig. Gas werde künftig mit dem Ausstieg aus der Kernkraft für die Versorgungssicherheit eine viel größere Rolle spielen.

Am Markt wird seit geraumer Zeit spekuliert, dass E.ON einen Partner für die schwächelnde Tochter Ruhrgas ins Boot holen könnte. E.ON hat für das Gashandelsgeschäft in diesem Jahr einen Verlust von einer Milliarde Euro in Aussicht gestellt.

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