February 4, 2011 6:31 PM CET

Fed warnt vor "katastrophaler" Schuldenkrise der USA

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Fed warnt vor "katastrophaler" Schuldenkrise der USA

US-Notenbankchef Ben Bernanke hat mit drastischen Worten vor einer Schuldenkrise der USA gewarnt.

U.S. Federal Reserve Chairman Ben Bernanke prepares to testify to the House Budget Committee on Capitol Hill in Washington June 9, 2010.

Um dramatische Konsequenzen zu vermeiden, müsse der Kongress das aktuelle Schuldenlimit von 14,3 Billionen Dollar zwar kurzfristig unbedingt erhöhen. Langfristig sei aber ein glaubwürdiger, straffer Sparkurs von Regierung und Parlament alternativlos für die größte Volkswirtschaft der Welt, sagte Bernanke bei einer seiner seltenen Pressekonferenzen am Donnerstag in Washington. "Ab einem gewissen Punkt wären die Vereinigten Staaten in einer Position, in der sie nur noch den Staatsbankrott erklären könnten. Die Folgen davon für unser Finanzsystem, für unsere Finanzpolitik und für die Wirtschaft wären katastrophal", sagte er vor dem nationalen Presseclub in der Hauptstadt der Vereinigten Staaten.

Sollte die Politik das riesige Haushaltsdefizit und die Staatsschuld nicht auf Dauer in den Griff bekommen, werde sicherlich irgendwann eine Situation eintreten, in der die Investoren an den Finanzmärkten den USA kein Geld mehr leihen würden, warnte Bernanke. Wegen der Konjunkturprogramme und Rettungsaktionen großer Finanzkonzerne liege das Etatdefizit derzeit bereits bei neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts, rechnete der Notenbankchef vor. Noch wenige Jahre vor der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise habe es lediglich um die zwei Prozent betragen. Die Fed ist nicht nur die Zentralbank der Vereinigten Staaten, sondern wegen ihrer massiven Ankäufe von US-Staatsanleihen zur Konjunkturstimulierung seit kurzem auch der größte Eigentümer von US-Staatsanleihen und damit größter Gläubiger der USA - noch vor China.

INFLATION FÜR BERNANKES GESCHMACK ZU NIEDRIG

Bernanke hält es trotz der jüngsten Hoffnungszeichen für die US-Wirtschaft für notwendig, die milliardenschwere Unterstützung beizubehalten. Vor allem die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit bleibe ein Problem. Erst wenn sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt nachhaltig verbessere, könne davon ausgegangen werden, dass die Konjunkturerholung Tritt gefasst habe. Bis die Arbeitslosenquote wieder auf normales Niveau gesunken sei, werde es aber noch mehrere Jahre dauern. Auch die Inflation verharre auf einem Niveau, das die Notenbank langfristig für zu niedrig halte. Bernankes Äußerungen deuteten darauf hin, dass sich die Fed vorerst keine Sorgen um zunehmenden Preisdruck machen und ihre Niedrigzinspolitik samt aller unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen noch länger fortsetzen dürfte.

Allerdings zeigte sich der Notenbank-Chef überraschenderweise für die Konjunkturentwicklung in der weltgrößten Volkswirtschaft etwas zuversichtlicher. Vor allem höhere Verbraucherausgaben und ein anziehendes Kreditgeschäft der Banken seien Anzeichen dafür, dass die Wirtschaft 2011 etwas stärker wachse als im vergangenen Jahr. Auch für den besonders gebeutelten Arbeitsmarkt gebe es inzwischen Anlass zu Optimismus, sagte Bernanke. Am Donnerstag hatten eine Reihe von Konjunkturdaten auf eine Stärkung der weltgrößten Volkswirtschaft hingedeutet, darunter ein Rückgang der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Bernanke wies außerdem Befürchtungen zurück, dass mit den zuletzt kräftig gestiegenen Lebensmittelpreisen wachsender Preisdruck droht. "Die Inflation bleibt insgesamt ziemlich niedrig", betonte Bernanke. Kritiker werfen der Federal Reserve vor, sie spiele die Erholung der US-Wirtschaft herunter und übersehe bewusst die wachsenden Inflationsrisiken.

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