December 7, 2010 8:29 PM CET

Bahn-Gewinn soll sich 2015 auf 3,4 Mrd Euro verdoppeln

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Bahn-Gewinn soll sich 2015 auf 3,4 Mrd Euro verdoppeln

Berlin (Reuters) - Der kräftige Wirtschaftsaufschwung und der Frachtboom schlägt sich im Gewinn der Deutschen Bahn mit Verspätung nieder.
2010 wird Europas größtes Transportunternehmen den Betriebsgewinn nur leicht auf 1,75 Milliarden Euro steigern, wie aus Bahn-Planungsunterlagen hervorgeht, die Reuters am Dienstag zugänglich gemacht wurden. Dagegen soll er 2011 um über ein Viertel auf rund 2,2 Milliarden Euro klettern. Dann soll nicht nur die weltweite Logistik-Sparte, sondern auch die lange kriselnde Güterbahn wieder kräftig Gewinn abliefern. Auch danach soll er Jahr für Jahr deutlich zulegen und 2015 mit etwa 3,4 Milliarden Euro fast das Doppelte von 2010 ausmachen.
Mehr als ein Drittel davon wird demnach allein das staatlich subventionierte Schienennetz abliefern, das so zur gewinnträchtigsten Sparte des Konzerns würde. Dies dürfte für neue Diskussionen in der Regierungskoalition sorgen, wo vor allem die FDP auf eine stärkere Trennung des Netzes vom Konzern dringt.
BAHN WÄRE IN KÜRZE WIEDER BÖRSENREIF
Sollte die Planung erreicht werden, hätte Bahnchef Rüdiger Grube den Konzern wohl spätestens ab 2012 wieder auf Vorkrisenniveau und damit börsenfähig gemacht. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat allerdings bislang wenig Sympathie für eine Privatisierung erkennen lassen. Auch einer Abtrennung des mit jährlich 2,5 Milliarden Euro subventionierten Schienennetzes, wie es FDP und Bahn-Konkurrenten fordern, steht er skeptisch gegenüber.
Ungewöhnlich ist an der Bahn-Planung die vergleichsweise geringe Gewinnsteigerung in diesem Jahr, zumal der Konzern schon nach neun Monaten die eigene Planung klar übertroffen hatte und der Wirtschaftsaufschwung anhielt. Allerdings verbucht die Bahn zum Jahresende häufig eine Reihe Sonderposten, was ihn etwa im Krisenjahr 2009 zu einem überraschend hohen Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) von etwas unter 1,7 Milliarden Euro verholfen hatte.
BAHN-UMSATZ SOLL 2015 AUF ÜBER 42 MILLIARDEN EURO STEIGEN
Anders als der Gewinn wird der Umsatz schon 2010 kräftig um rund zwölf Prozent auf 33 Milliarden Euro steigen. 2011 sind dann 35 Milliarden Euro angepeilt, die bis 2015 auf über 42 Milliarden Euro weiter steigen sollen. Neben dem Schienennetz sollen vor allem die Logistiksparte und Güterbahn wachsen und profitabler werden. In diesem Jahr fielen zwar teilweise schon Gütermengen wie 2008 an, die Frachtpreise haben sich aber noch nicht erholt.
Profitabler soll aber vor allem der Personenfernverkehr mit IC und ICE werden: 2015 soll er 560 Millionen Euro Gewinn machen und damit fast das fünffache, was 2010 erwartet wird. Die Sparte profitiert unter anderem davon, dass die Bahn seit langem kaum neue Züge angeschafft hat und daher keine Abschreibungen anfallen. Auch der Vertrag für die neuen ICx-Züge, die man bei Siemens bestellen will, ist noch nicht unterschrieben.
Wichtigste Sparte soll aber 2015 das Schienennetz sein. Mit 1,2 Milliarden Euro würde es mehr als ein Drittel des Konzerngewinns liefern. Dies ist umstritten, da das Netz zum einen mit jährlich rund 2,5 Milliarden Euro Staatsgeld gefördert wird. Zum anderen kassiert die Bahn von ihren Konkurrenten im Nah- und Güteverkehr Trassengebühren, aus denen sich der Gewinn ebenfalls speist. Verkehrspolitiker drängen eher auf niedrigere Trassenpreise, um so mehr Verkehr auf die Schiene zu holen. Das würde aber den Gewinn des Staatsunternehmens beeinträchtigen.

Die Deutsche Bahn im Aufwind
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