By Holger Hansen | September 17, 2010 10:28 AM CEST

Arbeitslosenzahl könnte auf 20-Jahres-Tief sinken

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Arbeitslosenzahl könnte auf 20-Jahres-Tief sinken

Berlin (Reuters) - Die Arbeitslosenzahl könnte im kommenden Jahr erstmals seit zwei Jahrzehnten auch im Jahresdurchschnitt unter die Marke von drei Millionen rutschen.

Frau vor einem Jobcenter am 30. Oktober 2008 in Berlin.

Davon geht das IAB-Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit (BA) in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie aus. Die Forscher erwarten für das laufende Jahr im Durchschnitt 3,239 Millionen Arbeitslose und für 2011 einen Rückgang um 281.000 auf dann noch 2,958 Millionen Arbeitslose. Noch weniger Arbeitslose gab es im Jahresdurchschnitt zuletzt 1991. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) erwartet, dass der Monatswert der Arbeitslosenzahl noch in diesem Jahr erstmals seit zwei Jahren wieder unter drei Millionen bleibt.

REKORD BEI ERWERBSTÄTIGEN ERWARTET

Die gute Entwicklung schrieb das IAB der schwungvollen Konjunktur, aber auch den Arbeitsmarktreformen zu. Zudem sinkt das Arbeitskräfteangebot aus demografischen Gründen. Zur Mitte des laufenden Jahres hätten Beschäftigung und Arbeitslosigkeit das Niveau vor der Wirtschafts- und Finanzkrise erreicht. Der Arbeitsmarkt finde wieder Anschluss an den 2008 jäh beendeten Aufschwung. Die Beschäftigung könne 2011 mit 40,63 Millionen Erwerbstätigen den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung erreichen. Das IAB geht dabei von einem Wirtschaftswachstum in diesem Jahr von rund drei Prozent und 2011 von 1,75 Prozent aus. Ähnlich kalkulieren auch andere Forschungsinstitute.

Der Ausblick fiel damit deutlich besser aus als noch im Frühjahr. "Wir gehen davon aus, dass mehrere Effekte eine Rolle spielen bei der guten Entwicklung am Arbeitsmarkt", sagte IAB-Expertin Sabine Klinger. Dazu gehöre die konjunkturelle Erholung: "Wir sind mittlerweile in einer Situation, dass die Wirtschaft wieder wächst - teilweise auch recht kräftig." Auch die Hartz-Gesetze der rot-grünen Bundesregierung spielten eine Rolle. "Die Arbeitsmarktreformen haben den Arbeitsmarkt aufgelockert, dynamischer gemacht, auch das bewirkt einen leichten Anstieg bei der Beschäftigung", sagte Klinger. Hinzu komme, dass das Arbeitskräfteangebot 2010 und 2011 aus demografischen Gründen um etwa 210.000 Menschen abnehme.

In den Dienstleistungsbereichen sei durchgängig Beschäftigung geschaffen worden, sagte Klinger. "Das gilt auch jetzt noch während des Aufschwungs, und die Industriebereiche selber stellen ebenfalls wieder ein." Allen voran sei dort die Zeitarbeit zu nennen, die zwar als Dienstleistung gezählt werde, jedoch häufig im verarbeitenden Gewerbe zum Tragen komme.

BRÜDERLE: BRAUCHEN FACHKRÄFTE AUS DEM AUSLAND

Von der Leyen erwartet, dass noch in diesem Jahr in mindestens einem Monat weniger als drei Millionen Arbeitslose verzeichnet werden. Wenn sich der bisherige Trend fortsetze, "könnte es gelingen, gegen Ende des Jahres die Drei-Millionen-Marke zu unterschreiten", sagte sie im Bundestag. Im August gab es noch 3,188 Millionen Arbeitslose.

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle sagte in der Haushaltsdebatte, in einzelnen Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg gebe es "quasi Vollbeschäftigung". Der FDP-Politiker fügte hinzu: "Wir müssen sogar aufpassen, dass wir nicht schon bald ein großes Fachkräfteproblem bekommen. Und deshalb brauchen wir in Deutschland Fachkräfte aus dem Ausland."

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