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SAP löst Vorstandschef ab und baut Konzernführung um



08. Februar 2010, 16:59 CET

Mitten in der schwersten Krise der Unternehmensgeschichte baut SAP-Ikone Hasso Plattner die Führungsriege radikal um.

Mit der überraschenden Trennung von Konzernchef Leo Apotheker und der Rückkehr zu einer Doppelspitze will Aufsichtsratschef Plattner offensichtlich verloren gegangenes Vertrauen der SAP-Kunden zurückgewinnen. Unter der Führung des langjährigen Vertriebsmanagers Apotheker, der lediglich neun Monate als alleiniger Vorstandschef agierte, sind zahlreiche Kunden gegen die von SAP verordnete Erhöhung der Wartungsgebühren auf die Barrikaden gegangen. Nun vertraut Plattner, der selbst lange an der Konzernspitze stand, den gleichberechtigten Co-Chefs Bill McDermott und Jim Hageman Snabe. Der Amerikaner und der Däne sollen SAP wieder auf die Erfolgsstraße mit den gewohnten prozentual zweistelligen Zuwachsraten führen.

An der Börse sorgte die Ablösung Apothekers am Montag für Unruhe. Die im Dax notierten SAP-Papiere gaben zwei Prozent nach. "Wir sind besorgt über die stärkere Konzentration auf Innovationen, möglicherweise höhere Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie die geringe Konzentration auf Margen", urteilte die BHF Bank. "Vor allem aufgrund des Streits um die Wartungsgebühren hat die Kundenbasis Vertrauen verloren", erklärte Analystin Yvonne Genovese von Gartner. "Die willkürliche Erhöhung der Gebühren, so wie SAP dies getan hat, wurde als Vertrauensbruch gesehen." Apotheker wollte eine Erhöhung der Wartungsgebühren um fünf Prozentpunkte auf 22 Prozent der Softwarelizenzerlöse durchsetzen. Auf Protest der Kunden nahm er die Erhöhung allerdings teilweise wieder zurück.

"Die Neuaufstellung der Unternehmensspitze soll die Produktinnovationen näher mit den Kundenanforderungen zusammenbringen", gab Plattner die Marschroute vor. Er wolle mit dem in den eigenen Vorstandsreihen rekrutierten neuen Führungs-Duo - dem US-Bürger McDermott (48 Jahre) und dem Dänen Snabe (44 Jahre) - "einen Gang hochschalten". SAP solle nach Plattners Vorstellung mit der verjüngten Führung agiler und innovativer werden sowie näher an die Kunden heranrücken. Die neue Doppelspitze aus Vertriebexperte und Produktentwickler sei nicht nur auf eine Übergangszeit, sondern auf Dauer angelegt.

Plattner ist wie einige der übrigen Mitgründer von SAP noch immer maßgeblich an dem Walldorfer Unternehmen beteiligt und regiert mit starker Hand im Hintergrund. Er selbst hatte SAP fünf Jahre lang in einer Doppelspitze gemeinsam mit Henning Kagermann geführt, der nach einer gemeinsamen Übergangszeit mit Kronprinz Apotheker im vergangenen Jahr das Zepter übergab. Im Aufsichtsrat habe Einvernehmen über die von Plattner schon länger gehegten Pläne zum Führungsumbau geherrscht, sagte ein Insider.

WUNDERWAFFE DOPPELSPITZE

Kreisen zufolge ist der 57-jährige Apotheker bei Plattner wegen der "emotionalen Komponente" in Ungnade gefallen. "Der Gleichklang fehlte zwischen beiden", sagte ein Insider. Der sprachlich versierte Apotheker habe die Belegschaft angesichts des Stellenabbaus zudem nicht mehr geschlossen hinter sich gehabt. Apotheker hatte SAP als Vertriebsexperte gemeinsam mit seinem - inzwischen krankheitsbedingt ausgefallenen - Vorstandskollegen Erwin Gunst einen Sparkurs verordnet und wollte den Softwareriesen auf Rendite trimmen.

Neu in den Vorstand wurde zudem der bislang wenig in Erscheinung getretene Technik-Chef Vishal Sikka berufen. Damit zählt die SAP-Führungscrew - einschließlich des erkrankten Gunst - wie bisher sieben Vorstände. Aufsichtsratschef Plattner bekräftigte seine Absicht, das Team "in Fragen der Technologie und der Produktentwicklung zu beraten". Dem SAP-Patriarchen liegen vor allem neue Technologien wie schnelle Hauptspeicher-Datenbanken am Herz.

Nach vielen Jahren ungebremsten Wachstums muss SAP im Zuge des weltweiten Einbruchs der Konjunktur kleinere Brötchen backen. Nettogewinn sowie Lizenz- und Wartungsumsätze gingen 2009 stärker zurück als vom Management noch zu Jahresanfang gehofft, rund 4000 der einst knapp 52.000 Arbeitsplätze wurden gestrichen. Neben dem Streit um die Wartungsgebühren verschlang die Entwicklung der Mittelstands-Software "Business by Design" viel Zeit und Geld, die nach langer Verzögerung erst in diesem Jahr auf breiter Front in den Handel kommt.

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