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Japan steckt erstmals seit 2006 wieder in der Deflation



20. November 2009, 13:09 CET

In Japan fallen die Preise erstmals seit 2006 wieder auf breiter Front.


Bank of Japne BOJ Tokyo Reuters
A security person stands guard at the Bank of Japan (BOJ) annex building in Tokyo October 14, 2009.

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt steckt in einer Deflation, wie die Regierung in Tokio am Freitag mitteilte. "Die jüngsten Preisentwicklungen zeigen, dass wir uns in einer milden Deflationsphase befinden." Sie forderte die Bank of Japan (BoJ) dazu auf, "angemessene" Gegenmaßnahmen zu treffen, was den Streit zwischen Regierung und Notenbank weiter anheizte.

Die BoJ setzte sich gegen den politischen Druck umgehend zur Wehr. "Grund für den dauerhaften Preisverfall ist die mangelnde Nachfrage", sagte Notenbankchef Masaaki Shirakawa. Er werde alles tun, um Geld in den Wirtschaftskreislauf zu pumpen. "Aber wenn die Nachfrage an sich schwach ist, werden die Preise nicht steigen, nur weil genügend Liquidität bereitgestellt wird."

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwartet kein schnelles Ende der Deflation. Nach ihren Prognosen werden die Verbraucherpreise in diesem Jahr um 1,2 Prozent, 2010 um 0,9 Prozent und 2011 noch einmal um 0,5 Prozent fallen. Was Verbraucher freut, hat für die Wirtschaft verheerende Folgen: Umsatz und Gewinne der Unternehmen brechen ein, Investitionen werden zurückgestellt, Stellen abgebaut. Verbraucher scheuen dann erst recht größere Anschaffungen, wodurch sich der Preisverfall beschleunigt. Japan steckte zuletzt von 2001 bis 2006 in einer Deflation.

"GELDPOLITIK IST SO ETWAS WIE DER LEBENSSAFT"

Finanzminister Hirohisa Fuji forderte die BoJ dazu auf, ihren Leitzins niedrig zu halten, um mit billigem Geld die Nachfrage von Unternehmen und Verbrauchern anzukurbeln. "Die Geldpolitik ist entscheidend. Sie ist so etwas wie der Lebenssaft einer Volkswirtschaft", sagte Fuji. "Deshalb möchte ich, dass die BoJ angemessen reagiert." Geschäftsbanken können sich bei der BoJ fast zum Nulltarif Geld leihen. Die Notenbank beließ ihren Leitzins am Freitag bei 0,1 Prozent, in der Euro-Zone beträgt er 1,0 Prozent. Die BoJ kündigte zugleich an, ihre Politik des billigen Geldes fortzusetzen.

Trotz der Niedrigzinspolitik waren an den Märkten die Zinsen für Anleihen spürbar gestiegen. Grund dafür ist die enorme Staatsverschuldung Japans. Sie ist doppelt so hoch wie die jährliche Wirtschaftsleistung - keine andere Industrienation ist derart verschuldet. Investoren verlangen deshalb einen Risikoaufschlag. Dadurch müssen auch Unternehmen für ihre Anleihen höhere Zinsen zahlen, was Investitionen verteuert.

Experten erwarten, dass die Regierung den Druck auf die Notenbanken erhöhen wird, stärker als bisher Staats- und Unternehmensanleihen aufzukaufen und so den Zinsanstieg zu bremsen. "Mit dem Ausrufen einer Deflation versucht die Regierung die Notenbank davon zu überzeugen, dass sie etwas tun muss", sagte der Chefvolkswirt des Forschungsinstituts Norinchukin, Takeshi Minami. Die BoJ kauft jährlich für etwa 163 Milliarden Euro Staatsanleihen auf.

Dank steigender Exporte hatte sich die japanische Wirtschaft zuletzt von der schwersten Rezession der Nachkriegszeit erholt. Vor allem in Asien - dem wichtigsten Exportmarkt - zog die Nachfrage an. Der private Konsum blieb dagegen schwach, auch wegen der vergleichsweise hohen Arbeitslosigkeit. Die japanische Wirtschaft hatte im dritten Quartal mit 1,2 Prozent das stärkste Wachstum seit mehr als zwei Jahren geschafft. Dazu trug auch das milliardenschwere Konjunkturprogramm bei, das die Regierung nun noch einmal aufstocken will.

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Kommentare
1.
Nov 20, 2009 7:05pm

Der Abwärtstrend in den Industrienationen geht weiter ! Das fehlende Geld der Bürger lässt den Umsatz und die Gewinne der Unternehmen sinken. Nur über die massive Verschuldung versuchen die Wirtschaftsnationen ihren Wohlstand zu halten. Wo die Reise hingehen kann zeigt uns Japan. Wir sollten rechtzeitig die Notbremse ziehen bevor wir uns noch weiter verschulden. Das unser Wirtschaftssystem nicht mehr rund läuft sehen wir an unseren Arbeitslosen und unsere Verschuldung. Denn uns müsste es eigentlich immer besser gehen ! Wir können mit immer weniger Aufwand immer mehr produzieren! Es ist kein Naturgesetz das es uns immer schlechter gehen muss. Wir müssen nur endlich die Ursache angehen ! Mehr dazu http://www.arbeitslosigkeit-besiegen.de

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