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Indische Stahl-Familie rettet Escada vor Pleite



06. November 2009, 07:04 CET

Der insolvente Luxusmode-Hersteller Escada wird nach Indien verkauft.

Megha Mittal, die Schwiegertochter des einflussreichen indischen Stahlunternehmers Lakshmi Mittal, übernimmt den Münchner Konzern, wie Escada am Donnerstag mitteilte. Ein Kaufvertrag sei unterzeichnet worden. Die 33-jährige Mittal, Mutter von zwei Kindern und früher für die US-Investmentbank Goldman Sachs tätig, unterstreiche damit ihr Interesse an der Modebranche, so Vertraute.

Mittal werde mit dem bisherigen Management um Bruno Sälzer zusammenarbeiten, teilte Escada weiter mit. Der Ex-Chef von Hugo Boss war geholt worden, um Escada zu retten, was aber nicht gelang. Escada musste, weil Veränderungen in der Branche ihre Zeit brauchen und das Geld in der Wirtschaftskrise ausging, im Sommer Insolvenz beantragen. Die Kollektionen galten seit langem als altbacken und kamen nicht mehr bei den Kunden an - hohe Verluste waren die Folge.

Sälzer will Escada im breiteren Luxusmarkt und nicht mehr nur im allerteuersten Segment positionieren. Er hat das Design verändern lassen und versucht, mit anderen Stoffen sowie Farben zu punkten. Außerdem automatisiert er die Herstellung nach dem Vorbild von Hugo Boss. Diese Strategie solle fortgesetzt werden, hieß es.

Escada-Insolvenzverwalter Christian Gerloff sprach von einem attraktiven und sicheren Verhandlungsergebnis für die Gläubiger. Den Preis wollte er aber nicht nennen. Der Gläubigerausschuss habe der Transaktion zugestimmt. An die Familie Mittal gehen nun alle wesentlichen Teile des operativen Geschäftsbetriebs samt der Mitarbeiter. Hinzu kommen die weltweiten Markenrechte, die Produktionsstätten und die Vertriebsstruktur.

"Wir haben mit der Familie Mittal unseren Wunschpartner gefunden.", sagte Sälzer. "Nun zählt nur noch der Blick nach vorne." Die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Management war einer der Knackpunkte in den Verhandlungen. Das Bieterkonsortium um Sven Ley, Sohn des Escada-Gründers Wolfgang Ley, hatte gegen Sälzer Stimmung gemacht und wollte ihn durch den Italiener Giacomo Santucci ersetzen, der früher bei Prada und Gucci aktiv war.

Ley hatte einen Umsatzsprung in den nächsten Jahren in Aussicht gestellt und öffentlich Druck auf Gerloff ausgeübt. In den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2008/09, den letzten bekannten Geschäftszahlen, kam Escada auf Erlöse von nur noch 151 Millionen Euro. Branchenkreisen zufolge hatte das Ley-Konsortium knapp 80 Millionen Euro geboten, mit einem Mindestgarantiepreis von 50 Millionen.

Escada hat noch gut 2200 Mitarbeiter. Seine größten Erfolge feierte das Unternehmen Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre unter seiner preisgekrönten Chefdesignerin und Mitgründerin Margaretha Ley. Damals dominierte das Haus die Szene mit farbenprächtigen und ausgefallenen Kleidern - und verhalf Hollywood-Stars wie Kim Basinger oder Demi Moore auf dem roten Teppich zu Glanz.

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