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Chrysler macht wieder operativen Gewinn



05. November 2009, 07:54 CET

Der angeschlagene Autobauer Chrysler verdient wieder Geld.

Fiat-Chef Sergio Marchionne, dessen Unternehmen die drittgrößte Autofirma der USA kontrolliert, meldete für das dritte Quartal einen operativen Gewinn von etwa 200 Millionen Dollar. Die Annahme, dass Chrysler Geld verliere, sei falsch, sagte Marchionne während der ganztägigen Präsentation am Mittwoch in Detroit. Die meisten Beobachter unterschätzten die massiven Kostensenkungen durch den früheren Chrysler-Eigner Cerberus Capital Management.

Marchionne kündigte während der Vorstellung des Fünfjahrplans für Chrysler eine neue Modellpolitik an. So solle die Marke Dodge künftig nur noch Pkw und Kleinbusse anbieten und Ram sich auf Lastwagen konzentrieren. Die Marke Jeep soll nach den Plänen von Chrysler bis 2014 weltweit 800.000 Fahrzeuge nach 487.000 Exemplaren im Vorjahr absetzen. Bis 2014 will Fiat zudem drei Viertel der spritfressenden Motoren ersetzt haben. Die ersten von Fiat gelieferten und sparsameren Modelle sollen bereits 2010 eingebaut werden.

Die Jeep-Marken Patriot, Compass und Liberty sollen nach den Plänen des Managements durch neue Marken ersetzt werden, die auf Fiat-Plattformen basieren. Außerdem soll ein neues kleineres Sportmodell der Marke Jeep auf den Markt kommen. Auch das ist ein Schritt, mit dem der im Sommer durch staatliche Hilfe vor der Pleite gerettete Konzern Kosten senken will.

Chrysler-Chairman Bob Kidder, der die Interessen des Staates bei dem Autobauer vertreten soll, kündigte die Rückzahlung der Steuergelder auf Heller und Pfennig an. Dies werde mit großer Eile betrieben. "Bei Chrysler gibt es kein business as usual", sagte Kidder. Im Konzern werde mit großer Energie am Wandel gearbeitet. "Wir wollen daraus wieder eine Aktiengesellschaft, eine große Aktiengesellschaft machen", sagte Kidder. Nach Marchionnes Worten soll Chrysler "irgendwann nach 2010" wieder an die Börse zurückkehren.

Branchenexperten zufolge muss Marchionne dringend mit frischen Modellen der Chrysler-Marken das Vertrauen der US-Verbraucher in die Zukunft des Konzerns zurückgewinnen. Denn wer unsicher ist, ob es Chrysler in einigen Jahren noch geben wird, dürfte kaum zum Kauf eines Wagens zu bewegen sein.

Welche Probleme Marchionne bei Chrysler noch überwinden muss, zeigten erst am Dienstag die US-Verkaufszahlen für Oktober: Die beiden heimischen Rivalen Ford und General Motors verkauften mehr Autos als vor einem Jahr, während der Chrysler-Absatz noch immer fast ein Drittel unter dem Vorjahr blieb. Damit gewinnen Ford und GM Marktanteile - vor allem auf Kosten Chryslers. Zumindest gibt es erste Hoffnungsschimmer für eine Trendwende: Chrysler konnte im Oktober immerhin mehr Autos verkaufen als im September.

Fiat erhielt von der US-Regierung 20 Prozent an Chrysler und soll im Gegenzug vor allem die Expertise für kleinere und spritsparende Autos mitbringen. Dies war auch ein Grund, warum General Motors zuletzt doch an seiner Europatochter Opel festhielt. Chryslers Existenz ist langfristig alles andere als gesichert, obwohl der Konzern wie auch GM im Frühjahr zur Sanierung ein Insolvenzverfahren durchlief.

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