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Britische Regierung zwingt Lloyds und RBS zur Aufspaltung



03. November 2009, 20:18 CET

Der britische Bankenmarkt steht vor einer gewaltigen Neuordnung.


Lloyds TSB London Reuters
A Lloyds TSB sign is seen outside a branch, in central London March, 7 2009. Photo: Reuters

Die mit staatlichen Milliarden gestützten Banken Lloyds und Royal Bank of Scotland (RBS) müssen auf Druck der Regierung und der EU Beteiligungen verkaufen, die zehn Prozent des gesamten Privatkundenmarkts in Großbritannien ausmachen. Zudem pumpt der Staat weitere 28 Milliarden Euro in die RBS, die sich mit der Übernahme des niederländischen Finanzkonzerns ABN Amro verhoben hatte. Lloyds will dagegen mit einer gigantischen Kapitalerhöhung von Investoren Geld einsammeln.

Die erneute Stützung der RBS sei die einzige Möglichkeit, das Institut zu stabilisieren und das gesamte Finanzsystem wieder auf die Beine zu bringen, sagte Großbritanniens Finanzminister Alistair Darling am Dienstag in London. "Wenn wir das alles nicht machen würden und das System in sich zusammenbrechen würde, hätten wir ein totales Chaos", betonte er. Zudem will die Regierung mit dem Aufspalten der beiden teilverstaatlichten Institute mehr Wettbewerb auf dem britischen Bankenmarkt schaffen. Mindestens drei neue Konkurrenten sollen entstehen.

Auch die dritte verstaatlichte Großbank, Northern Rock, muss sich von einem Großteil ihres Geschäfts trennen. Wegen der Rettungsaktionen hat Großbritannien in diesem Jahr das zweithöchste Staatsdefizit in der EU.

Die zusätzlichen Milliardenhilfen erhöhen den Staatsanteil an der RBS auf 84 Prozent von 70 Prozent. Zudem schlüpft die Großbank unter einen staatlichen Garantieschirm, der Ausfallrisiken riesiger Kredit-Portfolios abdeckt. Lloyds will dagegen an dem - vergleichsweise teuren - Programm nicht teilnehmen, auch die Beteiligung des Staates soll bei 43 Prozent gedeckelt bleiben. Deshalb will die Bank das Eigenkapital um insgesamt 21 Milliarden Pfund (23 Milliarden Euro) erhöhen. Den Großteil davon will Lloyds über eine klassische Kapitalerhöhung einnehmen, zudem sei die Umwandlung von Schulden in Eigenkapital geplant.

An der Börse kamen die Lloyds-Pläne gut an - der Aktienkurs stieg um zweitweise gut drei Prozent. Die Anteilseigner der RBS waren dagegen enttäuscht und trennten sich von ihren Papieren, die RBS-Aktie verlor knapp vier Prozent.

ZAHLREICHE KERNGESCHÄFTSFELDER STEHEN ZUM VERKAUF

Die Geschäftsteile, von denen sich Lloyds und RBS trennen müssen, dürfen nur an kleinere, bereits am Markt aktive Konkurrenten oder an komplett neue Mitbewerber gehen, wie Finanzminister Darling ankündigte. Der britische Bankenmarkt, insbesondere das Privatkundengeschäft, gilt in der Branche als sehr lukrativ. Beide Institute sollen mehrere hundert Filialen verkaufen. Lloyds will sich unter anderem noch von TSB in Schottland trennen sowie vom Baufinanzierungsgeschäft Cheltenham & Cloucester. Bei der RBS stehen noch das Versicherungsgeschäft mit den Marken Churchill und Direct Line sowie zahlreiche weitere Geschäftsbereiche zur Disposition. Fünf Jahre haben die beiden Großbanken für die Verkäufe Zeit.

In Deutschland will die RBS jedoch weiterhin tätig sein. Deutschland sei wie Großbritannien und Frankreich einer der Kernmärkte der Bank, sagte Deutschlandchefin Ingrid Hengster der "Börsen-Zeitung". Man strebe ein langfristiges Engagement an.

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