Japans Notenbank kündigt Rückzug von Kreditmarkt an 30. Oktober 2009, 17:46 CET
Japans Zentralbank leitet ihren Rückzug von den Kreditmärkten ein. ![]() Die Währungshüter beschlossen am Freitag, ihre Ankaufprogramme für Unternehmensanleihen und kurzfristige unbesicherte Schuldtitel Zug um Zug zu beenden. Zugleich gab Notenbankchef Masaaki Shirakawa in Tokio bekannt, dass den Banken noch bis Ende März mit Sicherheiten unterlegte Kredite zum Niedrigzins zur Verfügung stehen. Danach soll aber auch diese Unterstützung wegfallen. Ihren Leitzins beließen die Notenbanker bei 0,1 Prozent und machten klar, dass dies noch eine längere Zeit so bleiben wird. Die Bank von Japan rechnet zwar mit einer leichten Besserung der Konjunktur, allerdings wird die Deflation, also der Rückgang der Preise auf breiter Front, nach ihrer Einschätzung noch für eine längere Zeit ein Problem bleiben. In ihren überarbeiteten Konjunkturprognosen veranschlagt die Zentralbank das Ende der Deflationsphase nun erst auf 2011. Ein in der Breite sinkendes Preisniveau führt häufig dazu, dass Unternehmen und Verbraucher Investitionen verschieben, weil sie auf weiter fallende Preise spekulieren. In der Summe schadet diese im Einzelfall rationale und nachvollziehbare Entscheidung der Wirtschaft schwer. Zuletzt gingen die Preise in Japan aber etwas weniger stark zurück als erwartet. Wie die Regierung am Freitag mitteilte, sanken die Verbraucherpreise im September landesweit um 2,2 Prozent, im Großraum Tokio sogar um 2,4 Prozent. Dessen ungeachtet erhöhte die Notenbank am Freitag ihre Prognosen für die mittelfristige Konjunkturentwicklung. Sie rechnet für das im kommenden April beginnende Haushaltsjahr 2010/11 nun mit einem Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent und für 2011/12 mit einem Plus von 2,1 Prozent. Sie überraschte damit viele Analysten und auch den neuen Regierungschef Yukio Hatoyama. Er sagte in Tokio: "Es ist schwer zu glauben, dass die japanische Volkswirtschaft sich in dem Maße erholt." Japans neue Regierung und die Notenbank waren zuletzt aneinander geraten, als sich abgezeichnet hatte, dass die Währungshüter bereit seien könnten ihre Unterstützung für die Wirtschaft sukzessive zurückzunehmen. Finanzminister Hirohisha Fujii nahm auf den Konflikt am Freitag Bezug: "Die Regierung sollte der Notenbank nicht sagen, was sie zu tun hat, aber die Bank von Japan muss den Willen der Regierung berücksichtigen. Ich denke, die Bank von Japan hat dies heute getan." Nicht nur Japans Notenbank bereitet sich derzeit aktiv auf einen Ausstieg aus ihrer ultra-laxen Geldpolitik vor. In der kommenden Woche entscheiden die US-Notenbank Fed, die Bank von England und die Europäische Zentralbank (EZB) über ihren weiteren geldpolitischen Kurs. Analysten erwarten weiterhin rekordniedrige Leitzinsen. Sie hoffen aber auf Signale, wann die Notenbanken damit beginnen wollen die Politik des billigen Geldes, mit dem sie wegen der Krise das Finanzsytem geflutet hatten, zu beenden. Copyright 2009 Reuters. Alle Rechte vorbehalten. Dieses Material darf nicht veröffentlicht, übertragen, umgeschrieben oder weiterverbreitet werden.
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