IBTimes Anmelden

close
Benutzername
Passwort

Merkel wiedergewählt - Mindestens neun Abweichler



28. Oktober 2009, 14:07 CET

Angela Merkel hat bei ihrer Wiederwahl zur Bundeskanzlerin nicht das volle Vertrauen ihrer neuen schwarz-gelben Regierungskoalition erhalten.


merkel Chancellor berlin Bundestag Wiederwahl reuters
Germany's Chancellor Angela Merkel receives flowers after her election during the second meeting of the Bundestag in Berlin, October 28, 2009. Photo: Reuters

Für die 55 Jahre alte CDU-Chefin stimmten am Mittwoch im Bundestag 323 Abgeordnete. Damit verweigerten ihr in geheimer Wahl mindestens neun Parlamentarier von CDU/CSU und FDP die Unterstützung. Bei beiden Fraktionen waren am Morgen alle 332 Abgeordnete erschienen. Laut Bundestagspräsident Norbert Lammert votierten 285 Parlamentarier mit Nein, vier enthielten sich. Zehn der 622 Abgeordneten nahmen nicht an der Abstimmung teil. Nach der Wahl überreichte Bundespräsident Horst Köhler Merkel im Schloss Bellevue die Ernennungsurkunde.

Mit ihrer zweiten Amtszeit und der am Nachmittag folgenden Vereidigung des neuen Kabinetts wird Deutschland nach elf Jahren wieder von einer bürgerlichen Regierung aus CDU/CSU und FDP regiert. In den vergangenen vier Jahren führte die CDU-Chefin eine große Koalition mit der SPD.

Das Fehlen von neun Stimmen aus dem eigenen Lager ist ein Dämpfer für die Kanzlerin. Union und FDP sehen das schwarz-gelbe Bündnis als ihre Wunschkoalition. Allerdings wurden in den dreiwöchigen Koalitionsverhandlungen etliche Streitpunkte nicht geklärt, sondern etwa in der Gesundheitspolitik offen gelassen.

MERKEL SUCHT VOR DER WAHL AUCH NÄHE ZU GRÜNEN

Merkel, die vor vier Jahren als erste Frau in Deutschland das Kanzleramt errang, zeigte sich während der Wahlzeremonie in Gesprächen mit Abgeordneten aus Union und FDP sehr gelassen. Merkel suchte auch das Gespräch mit Grünen-Abgeordneten. Anders als dem ersten Chef einer großen Koalition, dem CDU-Politiker Kurt-Georg Kiesinger, gelang ihr erneut der Wahlsieg. Nach der Wahl zur Kanzlerin gab es zunächst keine Stellungnahme von der ostdeutschen Protestantin, die jahrelang von Parteifreunden wie Gegnern unterschätzt wurde.

In Koalitionskreisen hatte man vor der Abstimmung mit voller Unterstützung für die Chefin der Wunschkoalition gerechnet. Merkels bisherige rechte Hand, der künftige Innenminister Thomas de Maiziere, hält die Fehlstimmen jedoch für unerheblich. "Das ist morgen vergessen", sagte er. Fehlstimmen seien in "einer so großen Gruppe" normal. Unionsfraktionschef Volker Kauder sagte, er gehe davon aus, dass alle CDU/CSU-Abgeordneten mit "Ja" votiert hätten. Gleiches erklärte die neue FDP-Fraktionschefin Birgit Homburger. Es sei aber müßig, nach Abweichlern zu suchen, ergänzte Kauder. Die Regierung müsse jetzt schnell an ihre Arbeit gehen. Der künftige Verkehrsminister Peter Ramsauer wertete das Abstimmungsergebnis überschwänglich als "tolle Aussicht auf eine tolle Legislaturperiode."

STICHELEIEN DER OPPOSITION

Die Opposition nutzte die Gelegenheit zu Sticheleien. "Das Chaos, das wir schon bei den Koalitionsverhandlungen erlebt haben, setzt sich fort", sagte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. Grünen-Fraktionsführerin Renate Künast sprach von einem "Fehlstart". Linken-Kollege Gregor Gysi sagte, es sei kein guter Start, wenn Merkel nicht das gesamte Vertrauen ihrer Koalition erreicht habe. Bereits vor vier Jahren hatte Merkel zu Beginn der großen Koalition einen Dämpfer erhalten, als Union und SPD im Bundestag über eine Mehrheit von mehr als zwei Dritteln verfügte. Bei der Wahl zu Kanzlerin fehlten 51 Stimmen.

Die Kanzlerin und ihre Minister wollten noch am Nachmittag zu ihrer ersten Sitzung im Kanzleramt zusammenkommen. Anschließend wollte die alte und neue Regierungschefin bereits zu Gesprächen mit Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy nach Paris. Das Treffen mit dem französischen Staatschef ist traditionell der erste Antrittsbesuch für einen deutschen Regierungschef und gilt als Ausdruck der deutsch-französischen Freundschaft. Thema sollte der bereits am Donnerstag beginnende EU-Gipfel in Brüssel sein.

    Social Networks :
  • MySpace
  • Short News
  • Facebook
  • Delicious
  • Mister Wong
  • Link Arena
  • webnews
  • YIGG
  • WIKIO
Copyright 2009 Reuters. Alle Rechte vorbehalten. Dieses Material darf nicht veröffentlicht, übertragen, umgeschrieben oder weiterverbreitet werden.
Kommentare

Beitrag kommentieren

*Name



Mehr Weltwirtschaft + Politik
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat am Mittwoch Befürchtungen zurückgewiesen, nach Griechenland könnten auch andere Euro-Länder gravierende Finanzproble...
Unter dem Druck der Regierung pumpt die japanische Notenbank im Kampf gegen die Deflation weitere Milliarden in den Finanzkreislauf. Sie verdoppelte am M...
US-Notenbankchef Ben Bernanke hat im US-Kongress eindringlich dafür geworben, der Fed die Aufsicht über kleinere Finanzinstitute zu belassen. Dies steige...

Anzeige
Forex – devisenhandel – FXCM

Kostenloses Devisenhandel Demokonto mit € 5.000 zum Üben

Wirtschaft und Konjunktur

Zur wirtschaftlichen Lage in Berlin, aktuelle und offizielle Daten.

INNOVA SOLAR

Wir planen Ihre Solarstromanlage und kümmern uns um die vollständige Abwicklung

 
www.ibtimes.de Web
 
International Business Times© 2010 The Ibtimes Company. All Rights Reserved. Partners