Kosteneinsparungen schieben Pfizer-Gewinn an 20. Oktober 2009, 17:10 CET
Der Pharmariese Pfizer stemmt sich mit einem scharfen Sparkurs gegen sinkende Umsätze und die wachsende Konkurrenz durch Hersteller günstigerer Nachahmerarzneien. ![]() Mit seinen Ergebnissen im dritten Quartal übertraf der weltgrößte Arzneimittelhersteller aus den USA am Dienstag die Erwartungen der Börsianer. Der Gewinn sei binnen Jahresfrist um 26 Prozent auf 2,88 Milliarden Dollar gestiegen, teilte der New Yorker Konzern vor US-Börsenbeginn mit. Pro Aktie stand für den Zeitraum Juli bis September ein Ergebnis von 43 Cent in den Büchern nach 34 Cent vor Jahresfrist. Bereinigt um Sonderfaktoren waren es 51 Cent und damit drei Cent mehr als Analysten erwartet hatten. Anleger reagierten positiv: Die Pfizer-Aktie legte zu US-Börsenbeginn 1,6 Prozent auf 18,27 Dollar zu. Das Unternehmen, das unlängst die 67,3 Milliarden Dollar teure Übernahme des kleineren US-Konkurrenten Wyeth abschloss, setzte im dritten Quartal 11,62 Milliarden Dollar um - ein Minus von drei Prozent verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Analysten hatten mit 11,41 Milliarden Dollar noch weniger erwartet. "Mit freuen uns über unsere Ergebnisse in diesem Quartal und über unsere Fähigkeit, in einem anhaltend schwierigen Umfeld solide Ergebnisse zu erzielen", erklärte Konzernchef Jeff Kindler. Pfizer baute im Berichtszeitraum rund 1100 Arbeitsplätze ab - seit Jahresbeginn strich der Konzern insgesamt weltweit 6500 Stellen. Ende September hatte Pfizer noch 75.400 Beschäftigte. Die Forschungs- und Entwicklungskosten sanken um acht Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr 2009 erwartet das Pfizer-Management nun einen Umsatz von 49 bis 50 Milliarden Dollar und ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 2,0 bis 2,05 Dollar. Vor dem Abschluss der Wyeth-Übernahme hatte das Management noch 1,30 bis 1,45 Dollar in Aussicht gestellt. LIPITOR SCHWÄCHELT WEITER Mit dem Cholesterinsenker Lipitor, seinem Top-Präparat, sanken die Erlöse im Quartal um neun Prozent auf 2,85 Milliarden Dollar. Auf dem Heimatmarkt schrumpften die Umsätze mit dem Medikament sogar um zwölf Prozent. Standardmittel zur Bekämpfung von zu hohen Cholesterinwerten sind mittlerweile in den USA patentfrei, was sich deutlich in den Lipitor-Zahlen niederschlägt. Pfizer erwirtschaftete mit Lipitor zuletzt rund ein Viertel seiner Jahresumsätze. Der US-Patentschutz für den Kassenschlager läuft 2011 aus. Um das danach drohende Umsatzloch in Milliardenhöhe zu stopfen, war der Konzern im Januar in die Offensive gegangen und hatte den Kauf des Konkurrenten Wyeth angekündigt. Wyeth soll Pfizer neue Medikamente verschaffen und insbesondere bei biotechnologischen Präparaten weiter voranbringen. Für Pfizer ist dies die dritte Riesenübernahme innerhalb von zehn Jahren nach dem Kauf der US-Firmen Warner-Lambert 2000 und Pharmacia drei Jahre später. Mit dem neueren Schmerzmittel Lyrica setzte Pfizer im Quartal 708 Millionen Dollar um - das ist ein Anstieg von fünf Prozent. Das Nierenkrebsmedikament Sutent erbrachte dem Konzern Umsätze von 246 Millionen Dollar und damit neun Prozent mehr als vor Jahresfrist. Beim Präparat Chantix zur Entwöhnung des Rauchens bekam der Konzern dagegen Berichte über psychische Probleme zu spüren: Die Erlöse mit der Arznei sanken um 15 Prozent auf 155 Millionen Dollar. Auch mit älteren Präparaten wie etwa mit dem Bluthochdruck-Mittel Norvasc, dem Schmerzmittel Celebrex oder der Potenzpille Viagra sanken die Erlöse. Analysten äußerten sich dennoch positiv. "Das Quartal war sehr gut", kommentierte Barbara Ryan von der Deutschen Bank. Pfizer habe trotz einer Steuerquote von 31,8 Prozent die Ergebnisschätzungen am Markt übertroffen. "Ich denke, die Leute sind optimistisch, was die Ergebnisse und den Cashflow in den nächsten paar Jahren betrifft, vor allem wegen der Wyeth-Übernahme", fügte sie hinzu. Wie sich die deutschen Pharmakonzerne im dritten Quartal geschlagen haben wird in der kommenden Woche klar werden. Dann werden die Darmstädter Merckund der Bayer-Konzern ihre Berichte vorlegen. Copyright 2009 Reuters. Alle Rechte vorbehalten. Dieses Material darf nicht veröffentlicht, übertragen, umgeschrieben oder weiterverbreitet werden.
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