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Situationseinschätzung zur Neuen Influenza - Schweinegrippe



14. September 2009, 10:29 EDT

In Deutschland sind dem Robert Koch-Institut mit Datenstand vom 10.09.2009 (15.00 Uhr) seit Ende April 2009 insgesamt 17.937 Fälle der Neuen Grippe (Influenza H1N1/2009) übermittelt worden. Gegenüber der letzten Aktualisierung (Datenstand: 09.09.2009, 15.00 Uhr) wurden 147 Fälle neu übermittelt, davon sind 70 als autochthon eingestuft (Erkrankung in Deutschland erworben). Als Fälle werden sowohl Personen mit einer Labordiagnose ausgewiesen als auch Erkrankte, bei denen selbst keine Labordiagnose durchgeführt wurde, die aber Kontakt zu anderen laborbestätigten Erkrankten hatten. Die nachfolgende Tabelle zeigt die Verteilung auf die Bundesländer. In der Regel sind die Erkrankungen in Deutschland nach wie vor mild verlaufen.

Situation in Deutschland (Bundesländer): Stand 10. September 2009, 15:00 Uhr

Bundeslandgesamtdavon autochthon
Baden-Württemberg2.750592
Bayern2.008619
Berlin473127
Brandenburg31680
Bremen14765
Hamburg38999
Hessen868202
Mecklenburg-Vorpommern13926
Niedersachsen2.585671
Nordrhein-Westfalen5.4681.568
Rheinland-Pfalz1.074276
Saarland25050
Sachsen329117
Sachsen-Anhalt32496
Schleswig-Holstein575176
Thüringen24248
Summe17.9374.812

Weitere Informationen (Letzte Änderung 11.09.2009)

In der 35. Kalenderwoche (KW) (vom 24.08. bis 30.08.2009) wurden dem Robert Koch-Institut 1.248 Neuinfektionen übermittelt. Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen lag in der 31. KW mit 3.362 Meldungen am höchsten und ist in den folgenden Wochen kontinuierlich gesunken. Der Anteil der autochthonen Fälle hat sich in den letzten Wochen leicht erhöht, jedoch hat insgesamt immer noch der überwiegende Teil der übermittelten Fälle die Infektion wahrscheinlich im europäischen Ausland erworben. Obwohl die Daten mit großer Vorsicht interpretiert werden müssen, da ein verändertes Diagnose- und Meldeaufkommen ebenfalls zu geringeren Zahlen führt, scheint der Beginn der Schule in einigen Bundesländern bis jetzt noch keinen deutlichen Einfluss auf die zur Zeit eher rückläufige Entwicklung zu haben, gleichwohl wird in Pressemeldungen von einzelnen Schulschließungen berichtet.

Zur Frage, inwieweit sich die neue Grippe auf die Erkrankungsraten in der Gesamtbevölkerung auswirken, können die Daten des Grippe-Beobachtungssystems der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) herangezogen werden. Dort wird beobachtet, dass das Niveau der akuten respiratorischen Infektionen jedoch weiterhin in einem für die Jahreszeit üblichen Bereich liegt, so dass noch nicht von einer relevanten Auswirkung der neuen Influenza auf Bevölkerungsebene auszugehen ist. Der Anteil der positiven Virusfunde bei den im Nationalen Referenzzentrum untersuchten Influenza-ähnlichen Erkrankungen (Positivenrate) lag in der 31. KW bei 8 Prozent (5 von 61 untersuchten Proben), stieg zwischenzeitlich bis auf 19 Prozent an (8 von 43 untersuchten Proben) und liegt nun in der 36. Woche wieder bei 5 Prozent (2 von 38 untersuchten Proben) - weitere Informationen siehe: www.rki.de/agi.

Angesichts der aus betroffenen Staaten eingeschleppten Infektionen und den auch in Deutschland („autochthon“) erworbenen Infektionen ist die Bedeutung der persönlichen Hygienemaßnahmen unverändert hoch, insbesondere bei Kontakt zu Reiserückkehrern und bei vielen Kontakten zu anderen, etwa in Schulen. Es ist bekannt, dass sich die Influenza unter Kindern und Jugendlichen besonders rasch ausbreiten kann. Daher sollten kranke Kinder nicht in die Schule oder den Kindergarten gehen. Influenzaviren werden vor allem durch Tröpfcheninfektion übertragen. Insbesondere beim Niesen oder Husten können Erreger auch auf die Hände gelangen und dann durch direkten Kontakt oder z.B. über die Hände weiterverbreitet werden. Daher wird insbesondere häufiges Händewaschen empfohlen und das Husten in den Ärmel statt in die Hand. Weitere Informationen dazu siehe: www.wir-gegen-viren.de.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ihre Einschätzung bekräftigt, dass die weltweite Ausbreitung des Virus nicht zu stoppen ist. Eine weitere Ausbreitung der neuen Grippe auch in Deutschland ist nicht zu vermeiden. Die etablierten Maßnahmen und Krisenreaktionsstrukturen in Deutschland wurden daher an die neue Situation angepasst, insbesondere haben die Bundesländer Impfstoff für die besonders gefährdeten Gruppen bestellt (siehe „Antworten auf häufig gestellte Fragen“ unter www.rki.de/influenza).

Die WHO hat die Pandemie bislang als moderat eingestuft. Bei einer großen Verbreitung könnte auch ein Virus, das bei gesunden Menschen vorwiegend moderate Symptome verursacht, große Auswirkungen auf eine Gesellschaft haben ("Assessing the severity of an influenza pandemic" vom 11.5.2009). Das Virus ist gut von Mensch zu Mensch übertragbar. Es ist außerhalb der normalen Grippesaison aufgetreten, es gibt keine oder nur eine beschränkte Immunität gegen das neue Virus, noch keinen Impfstoff, und es sind z.T. andere Risikogruppen betroffen. Hinzu kommt, dass Grippeviren ihr Erbgut ständig verändern. Im Unterschied zu den gut charakterisierten saisonalen Influenzaviren ist die weitere Entwicklung des neuen Erregers nicht vorherzusehen, insbesondere seine Auswirkungen im Herbst und Winter, zur üblichen Grippezeit. In früheren Pandemien gab es häufig eine zweite, schwerere Welle.

Die Symptome der neuen Grippe sind ähnlich wie bei saisonaler Influenza, vor allem Fieber, Atemwegsbeschwerden und Gliederschmerzen. Todesfälle sind bislang vor allem auf dem amerikanischen Kontinent aufgetreten, in der Europäischen Union sind bislang mehr als 120 Todesfälle registriert worden, die meisten davon in Großbritannien. Auch in Deutschland sind Todesfälle nicht auszuschließen, bislang gab es aber nur einige schwere Verläufe. Nach Angaben der WHO sind viele, aber nicht alle schweren Fälle bei Menschen mit Grunderkrankungen aufgetreten (Statement to the press by WHO Director-General Dr. M. Chan, 11.06.2009).

Bei den bisher im Nationalen Referenzzentrum für Influenza im Robert Koch-Institut untersuchten neuen Influenzaviren haben sich die so genannten Neuraminidasehemmer als wirksam erwiesen.

Weitere Informationen, auch zu Hotlines: www.rki.de/influenza

Stand: 11.09.2009

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