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IEA warnt immer dringender vor epochaler Ölkrise



11. August 2009, 17:12 EDT

Mit drastischen Worten hat der Chefökonom der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris, Fatih Birol, vor einer überraschenden Ölknappheit auf den Weltmärkten gewarnt. Die IEA nimmt damit immer deutlicher auf den sogenannten Peak-Oil Zeitpunkt Bezug, der laut den Energieexperten bereits innerhalb der nächsten zehn Jahre überschritten werden wird. Birol betont, dass die Weltwirtschaft sogar schon in weniger als 5 Jahren von einer epochalen Ölkrise in die Tiefe gezogen werden wird.

Damit könnte bereits in den nächsten Jahrzehnten die politische und wirtschaftliche Stabilität der Weltgemeinschaft gefährdet werden. In einem Interview mit dem britischen "Independent" sagte Dr. Birol, dass die Öffentlichkeit und viele Regierungen sich bislang der Tatsache offenbar nicht bewusst seien, dass das Öl, an dem die moderne Zivilisation hängt, viel schneller als bisher vorhergesagt versiegen wird.

Birol: „Eines Tages werden wir kein Öl mehr haben. Deshalb müssen wir uns vom Öl verabschieden, bevor es sich von uns verabschiedet. Wir müssen darauf vorbereitet sein.“ Und das so schnell wie möglich, schließlich basiere unser Wirtschafts- und Sozialsystem auf Öl. „Eine Umstellung kostet viel Zeit und viel Geld.“

Birol warnt außerdem vor einer Marktdominanz der wenigen Öl produzierenden Länder, vor allem im Nahen Osten. „Sie haben derzeit einen Marktanteil von 40 Prozent – das wird sich in Zukunft sehr stark ausweiten.

Die wichtigsten Ölfelder der Welt hätten bereits jetzt ihren Zenit überschritten. Und es dürfte weniger als fünf Jahre dauern, bis eine Ölklemme die Wirtschaft fundamental erschüttert, sagte Birol. Versiegende Ölquellen in Kombination mit einer steigenden Nachfrage werde die Preise in die Höhe treiben – was eine Erholung der Wirtschaft von der aktuellen Krise verhindern könnte, urteilt Birol.

Nach einem Referenzszenario erwartet die IEA, dass die maximale Produktionskapazität in den nächsten zehn Jahren ihren Spitzenwert überschritten haben wird - mindestens ein Jahrzehnt früher als von den meisten Regierungen geschätzt.

„Selbst wenn die Nachfrage nach Öl auf dem gegenwärtigen Niveau bliebe, würde die Welt den Gegenwert von vier Saudi Arabien zur Aufrechterhaltung der Produktion und sechs Saudi Arabien, um die erwartete Nachfrage bis 2030 zu befriedigen, benötigen“, erklärte Birol.

Eine verlässliche und bezahlbare Energieversorgung ist für die Weltgemeinschaft von existenzieller Bedeutung, sie stellt das Fundament der industriellen Zivilisation dar. Erst die maschinell genutzte Energie machte die Sklavenarbeit überflüssig, weshalb ein Wegfall dieser Energie ein neues, und diesmal globales finsteres Zeitalter als schlimmstes Szenario in den Bereich des Möglichen rückt. Es besteht also extrem dringender Handlungsbedarf, für einen kräftigen und bezahlbaren Ausbau der Primärenergie-Erzeugung zu sorgen. Doch es geschieht vielerorts genau das Gegenteil, die Nutzung der nächstgünstigen Alternative, Kohle, wird ohne jede wissenschaftliche Grundlage mit dem Totschlag-Argument "klimaschädlich" abgewürgt. Natürlich wäre "saubere" und "grüne" Energie, nicht zuletzt dank der intensiven Werbung dafür, attraktiv - doch die dafür nötigen mindestens dreimal so hohen Investitionen und 100 Jahre Ausbauzeit stehen der Welt einfach nicht zur Verfügung.

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