Jim Rogers: Staatsinterventionen führen in die Depression 18. März 2009, 19:41 CET
Rohstoffguru Jim Rogers hat bei seinem jüngsten Auftritt bei Bloomberg wiederum nachdrücklich klar gemacht, dass er absolut nichts von den ganzen "Bailouts" hält, also dem Versuch, den maroden Bankensektor mit Staatshilfen über Wasser zu halten. Auf die Eingangsfrage des Gastgebers an Rogers was er davon halte, dass sich neben den USA nun fast alle Länder an Interventionen versuchen würden, antwortete er sehr klar, dass man nicht "gutes Geld schlechtem Geld hinterherwerfen" solle. ![]() Was jetzt versucht werde, sei dasselbe was man in Japan nach dem Platzen der riesigen Finanzblase getan hätte, wo man sich um die schmerzhafte Bereinigung der faulen Kredite drücken wollte, aber dann mit Staatshilfen das Siechtum der Volkswirtschaft nur in die Länge zog. Rogers warnt davor, dass sich eine Wiederholung dieser Fehler anbahne, dass die jetzigen staatlichen Interventionen ebenso wenig wie in Japan funktionieren würden, und dass sie überhaupt noch nie funktioniert haben. Wo vermute er dann den Tiefpunkt am Aktienmarkt, z.B. beim S&P 500, wird Rogers gefragt. Darauf antwortet er dass er gar kein guter Händler sei, der Zeit und Kurse genau einschätzen könne. Er wisse nur dass der Welt eine lange und schmerzhafte Rezession bevorsteht, in der die meisten Aktien noch viel Korrekturpotenzial hätten. Es wäre laut Jim Rogers gut möglich, dass die Welt eine globale Depression erleiden werde die mit der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre vergleichbar sei - und dass dafür die jetzigen Politiker und Zentralbankchefs mit ihren Aktionen veranwortlich sein werden. Nach einer besseren Lösung gefragt antwortet Rogers dass man nicht eingreifen solle und insbesondere die Banken einfach bankrott gehen lassen solle. Hätte man AIG untergehen lassen, würden jetzt auch keine Boni mit Steuergeldern ausgezahlt. Statt Geld in tote Unternehmen zu versenken sollte man es eigentlich eher Leuten geben die etwas Neues anfangen. Jeder der interessiert war habe schon vor Jahren um die massive Verschuldung von Fannie Mae und Co gewusst - jetzt seien es die Schulden der amerikanischen Steuerzahler oder schlimmer noch, der ganzen Welt. Also sei jeder Einzelne betroffen, und wir werden laut Rogers alle dafür leiden müssen. Könne man die Probleme des Systems denn wirklich nicht einfach zupflastern, es irgendwie zum Laufen bringen, hakt der Gastgeber nach. Rogers spendet keinen Trost, denn es "nur irgendwie ans Laufen zu bringen" sei nicht genug, dass könnten die Amerikaner vielleicht sogar noch für ein paar weitere Monate schaffen, aber etwas später würde das gesamte System auf jedenfall zusammenbrechen. Irgend jemand müsste auch wirkliche Arbeit leisten, "reale Dinge" herstellen statt Schulden zu produzieren und nur Geld hin- und herzuschieben. Diese Zeit sei endgültig vorbei, und insbesondere im Finanzsektor könne in den nächsten 7 bis 10 Jahren kein Geld mehr gemacht werden. Rogers sagt, dass die Finanzzentren, insbesondere New York und London City, wieder langweilig und öde werden würden weil die Bankgiganten ihren Einfluss verlieren werden und stattdessen wieder die Realwirtschaft zählen wird. Rogers verneint die Vermutung, dass er angesichts seiner negativen Szenarien gegenüber allen Investments pessimistisch und "short" sei. Er empfiehlt insbesondere den Agrarsektor, denn Essen müsse jeder Mensch, egal in welcher Situation. Aber auch den Rohstoffsektor insgesamt sieht er trotz den starken Preisrückgängen weiterhin vielversprechend, vor allem angesichts der bevorstehenden Geldentwertung. Er ist darauf vorbereitet sich aus fast allen Währungen zurückzuziehen, da keine einzige davon mehr stabil sei. Zum Schluss kommt noch die Frage, wann die Deflation in Inflation umschlage. Es sei kaum möglich den genauen Zeitpunkt zu identifizieren, sicher sei aber, dass die Benutzung der Notenpresse immer inflationär wirke, antwortet Rogers. Und derzeit seien erstmals in der Weltwirtschaftsgeschichte fast alle grossen Länder gleichzeitig dabei, Geld zu drucken. Es werde auf jedenfall hohe Inflation geben. Aber Ben Bernanke sagt, er könne den Prozess kontrollieren, wirft der Gastgeber ein. Darauf entgegnet Rogers, dass gerade Bernanke nun schon seit langer Zeit immer daneben liege. Copyright 2009 IBTimes Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Dieser Artikel ist durch die International Business Times geschützt.
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