Opel von Problemen bei Mutter GM bedrohtVon AP
17. November 2008, 20:40 CET Knapp 80 Jahre währt nun die Verbindung zwischen dem deutschen Autobauer Opel und dem US-Konzern General Motors. Oft hat sich die Verbindung für beide Seiten als Segen erwiesen. Genauso oft aber hat sich die Dominanz von GM als Fluch geäußert. Ob Opel als Autohersteller alleine noch lebensfähig wäre, erscheint ungewiss. ![]()
Beide Unternehmen sind auf das Engste miteinander verwoben. Etwa 80 Prozent des Europageschäfts von GM entfällt auf die Marke Opel. In den deutschen Fabriken laufen nicht nur Opel, sondern auch Fahrzeuge der Marke Vauxhall und bald wohl auch Saab vom Band. Dazu kommt, dass Opel für die Fahrzeugentwicklung von GM inzwischen eine zentrale Rolle spielt. So entwickeln Opel-Ingenieure in Rüsselsheim alle künftigen Kompakt- und Mittelklassefahrzeuge für sämtliche GM-Marken weltweit.
Die wechselseitige Abhängigkeit beider Unternehmen erklärt, warum viele Fachleute gegenüber einer staatlichen Bürgschaft für Opel so zurückhaltend sind. „Wir können die Bürgschaft nicht einfach so über den Tisch schieben", erklärt Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU): „Wir müssen wissen, ob das Geld in Deutschland bleibt oder nach den Strukturen dieses Konzerns möglicherweise abgezogen wird."
Die Politik, erklärt auch Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter, müsse darauf achten, dass Deutschland nicht Geld „in die Konkursmasse" überweise. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer betonte, deutsche Kredite für Opel seien sinnlos, wenn nicht der US-amerikanische Senat eine Rettungsaktion für General Motors beschließe: „Ohne US-Hilfe ist jede Hilfe in Deutschland nicht tragbar." Nachdenken über eine „europäische Lösung"
In Hessen haben sich FDP und Grüne bereits für eine Herauslösung von Opel aus dem GM-Konzern ausgesprochen. Regierungschef Roland Koch (CDU) äußert sich vorsichtiger. Im Internationalen Technischen Entwicklungszentrum von Opel seien mehrere Tausend Ingenieure nicht allein für Opel sondern für das weltweite Geschäft von GM tätig, erklärt Koch. Dennoch ist auch er dafür, eine „europäische Lösung" für Opel zu prüfen.
Eine Verselbstständigung von Opel ist nach Dudenhöffers Einschätzung vorstellbar: „Aber es wird unendlich schwierig." Viel stärker als noch vor zehn Jahren ist Opel heute in den GM-Konzernverbund integriert. Opel produziert Fahrzeuge, die in den USA unter dem Markennamen Saturn verkauft werden. Dagegen laufen in den USA Opel-Fahrzeuge für den europäischen Markt wie der Sportwagen GT vom Band.
Noch in den frühen 90er Jahren trat Opel faktisch wie ein unabhängiges Unternehmen auf. Das Unternehmen durfte als ebenbürtiger Rivale von Volkswagen gelten. Doch während VW zu einem internationalen Schwergewicht wuchs, schrumpfte Opel unter dem Sparkurs der US-Führung zur grauen Maus der deutschen Autoindustrie. „Es sind viele Fehler gemacht worden", kritisiert Dudenhöffer im Gespräch mit AP. Wichtige Modelle wurden nicht gebaut, Qualität und Design viele Jahre vernachlässigt. Wichtige Märkte für Opel gesperrt
Die Marke verlor zunächst ihren ausgezeichneten Ruf, dann viele Kunden. Der Marktanteil von Opel in Deutschland sackte von 17 Prozent Anfang der 90er Jahre auf derzeit knapp 10 Prozent. Zu den Problemen trug desweiteren bei, dass Opel wichtige Absatzmärkte versperrt waren oder noch immer sind. So durften lange Zeit keine Opel-Fahrzeuge nach Nordamerika exportiert werden. Auch ist der Wachstumsmarkt China für Opel tabu. Der Rüsselsheimer Hersteller kämpfte gewissermaßen mit einem gefesselten Arm gegen seine Konkurrenten.
Als zu Beginn dieses Jahrzehnts die Probleme bei Opel nicht mehr zu übersehen waren, half General Motors allerdings mit großer Entschlossenheit. „Sie haben viel Geld reingesteckt", betont Dudenhöffer: „Ohne GM würden die längst nicht mehr leben." Als nach 2004 rund ein Drittel der Opel-Belegschaft abgebaut wurde, stellte GM für Abfindungen eine Milliardensumme bereit.
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