April 8, 2010 9:16 AM CEST

Dreierbund soll Daimler bei Kleinwagen voranbringen

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Dreierbund soll Daimler bei Kleinwagen voranbringen

Nach mehreren gescheiterten Partnerschaften will Daimler erneut mit ausländischen Verbündeten im zukunftsträchtigen Kleinwagengeschäft Fuß fassen.

Angesichts immer strengerer Klimaschutzvorschriften will der Oberklassehersteller nach einem Milliardenverlust das Sorgenkind Smart im Bündnis mit den Massenherstellern Renault und Nissan in die Erfolgsspur bringen. "Daimler ist in einer exzellenten Position bei großen Autos", sagte Konzernchef Dieter Zetsche bei der Vorstellung der Dreierallianz am Mittwoch in Brüssel. "Wir müssen aber angesichts der steigenden Nachfrage nach kleinen und kompakten Fahrzeugen handeln." Eigenständig wäre die nächste Smart-Generation nicht mehr rentabel zu produzieren gewesen, gestand er ein.

Daimlers ebenfalls von der Absatzkrise getroffene Partner - der französische Autobauer Renault und dessen langjähriger japanischer Kompagnon Nissan - versprechen sich eine bessere Auslastung ihrer Fabriken durch die Produktion von Fahrzeugen und Motoren für Daimler. Eine "zweite Phase" der Partnerschaft könne in vier bis fünf Jahren beginnen, sagte Renault-Chef Carlos Ghosn. Ein gemeinsamer Einkauf soll die Kosten senken. Die Allianz soll Daimler und Renault/Nissan innerhalb von fünf Jahren Einsparungen von jeweils zwei Milliarden Euro bringen, rechneten Zetsche und Ghosn bei dem gemeinsamen Auftritt vor.

Die technische Zusammenarbeit wollen Daimler einerseits und Renault/Nissan andererseits mit einer gegenseitigen Kapitalbeteiligung von je 3,1 Prozent untermauern. Renault und Nissan sind bereits seit 1999 durch eine Überkreuzbeteiligung miteinander verbunden. Ghosn hält die Beteiligungen noch für ausbaufähig.

DAIMLER MUSS IN REVIEREN VON TOYOTA UND VW WILDERN

Mit dem Bemühen, mehr Klein- und Kompaktwagen gewinnbringend zu verkaufen, tritt Daimler zunehmend in Konkurrenz zu den Weltmarktführern Toyota und Volkswagen. Die Entwicklung kleiner Autos und Motoren sei für den Stuttgarter Konzern im Alleingang nicht sinnvoll, sagte Zetsche. Daher sollen der Stadtflitzer Smart und der Renault Twingo künftig auf einer gemeinsamen Plattform gebaut werden. Renault/Nissan sollen zudem neue Drei- und Vierzylindermotoren für den Smart sowie für neue Kompaktmodelle der Mercedes-Benz A- und B-Klasse liefern. "Wir waren strategisch nicht richtig aufgestellt bei Kleinwagen und bei kleineren Motoren", räumte Zetsche ein. Sein Kollege Ghosn hofft auf mehr: Auch bei der A-Klasse und beim Renault Clio seien Kooperationen möglich, auch wenn es keine konkreten Pläne gebe.

Daimler kämpft seit Jahren mit der schwachen Rendite seiner Klein- und Kompaktwagen - die angesichts hoher Treibstoffpreise, Steuervorteilen und Klimaschutzvorschriften begehrter bei den Autokäufern werden. Mit ihrer Palette in diesem Segment kommen die Stuttgarter bei den Kunden nicht an: Trotz Abwrackprämie schrumpfen die Verkaufszahlen des Smart und der A-/B-Klasse ständig. Erzrivale BMW verkauft deutlich mehr kleine, verbrauchsärmere Fahrzeuge als Mercedes-Benz. Die Münchener beziehen die Motoren für ihren Mini schon länger vom Renault-Konkurrenten Peugeot.

"Die Ankündigung der Kooperation hat uns unserem Renditeziel ein Stück näher gebracht", sagte Zetsche. Er strebt für die Pkw eine operative Umsatzrendite von zehn Prozent an. Der Verkauf soll mit der Partnerschaft bis 2015 auf 1,5 Millionen geschraubt werden - Smart nicht eingerechnet.

Dazu muss Daimler mehr Autos unterhalb der renditeträchtigen, hochmotorisierten Kassenschlager C-, E- und S-Klasse anbieten. Die Entwicklung neuer Fahrzeugplattformen und Motoren verschlingt gewöhnlich Milliarden, die Daimler im Verbund deutlich drücken will. Gemeinsam mit Renault will Daimler künftig drei Modelle des Smart aufbieten - einschließlich eines Viersitzers, der erst vor wenigen Jahren wegen hoher Verluste vom Markt genommen wurde. Die Kooperation mit Mitsubishi Motor galt damit als gescheitert.

Renault-Chef Ghosn lobte die Partnerschaft mit Daimler, die einer Welle von Übernahmen und Kooperationen in der Branche folgt. "Wir haben eine Win-Win-Situation für beide Seiten", sagte er. Während Franzosen und Japaner seit Jahren erfolgreich zusammenarbeiten, missglückten Daimler in den vergangenen Jahren nicht nur die Firmenehe mit Chrysler, sondern auch die Allianzen mit Mitsubishi und Hyundai.

Die Investoren beeindruckte der Dreibund nicht. Die Aktien gaben leicht nach. "Mögliche Synergien aus einer Kooperation mit Renault/Nissan halten wir für überschaubar und erst mittelfristig realisierbar", urteilte die DZ Bank. "Auch mit Blick auf eine möglichen Verwässerung des Markenimages (von Daimler) bleiben wir bei unserer skeptischen Haltung."

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