11 18, 2009 3:38 AM
UBS: Alte Ertragskraft frühestens in drei Jahren
UBS: Alte Ertragskraft frühestens in drei Jahren
Die von der Finanzkrise und schwindendem Kundenvertrauen gebeutelte Schweizer Großbank UBS will frühestens in drei Jahren wieder zur alten Blüte kommen.
In drei bis fünf Jahren will die Bank einen Vorsteuergewinn von rund 15 Milliarden Franken (rund zehn Milliarden Euro) im Jahr erreichen und damit an die gut 14 Milliarden Franken Vorsteuergewinn des Jahres 2006 anknüpfen. Große Risiken wie jüngst mit amerikanischen Ramschhypotheken will die Bank künftig nicht mehr eingehen. Auch sollen nie mehr Kunden unter Umgehung von Gesetzen und Verträgen angeworben werden, wie UBS dies unter alter Führung in den USA gemacht hatte.
Eine "Revolution" in Geschäftsabwicklung kündigte der seit Februar amtierende UBS-Chef Oswald Grübel an. Der Umbau brauche Zeit, betonte er am Dienstag auf dem Investorentag der UBS. Die Aufsichtsregeln für Banken seien strenger geworden und die Weltwirtschaft müsse sich erst noch ganz erholen. Das grenzüberschreitende Vermögensverwaltungsgeschäft sei schwieriger geworden, erklärte er in Anspielung auf das bröckelnde Schweizer Bankgeheimnis. Seit Anfang 2008 verzeichnete UBS Verluste von insgesamt knapp 25 Milliarden Franken, und reiche Kunden zogen zuletzt immer noch Geld von der Bank ab. Viele Arbeitsplätze gingen verloren, und vor gut einem Jahr mussten Regierung und Nationalbank der UBS mit Milliardenbeträgen unter die Arme greifen.
Um wieder in die Gewinnzone zu kommen, muss die Investmentbank der UBS wieder profitabel werden. Diese Sparte hatte dem Konzern in der Finanzkrise Verluste von mehr als 50 Milliarden Dollar beschert. Die Geschäftsbasis sei schwer geschädigt gewesen, sagte der Co-Chef des Bereiches, Alex Wilmot-Sitwell. Der jüngsten Boom im Anleihengeschäft, der Konkurrenten wie Credit Suisse und Deutsche Bank Milliardeneinnahmen beschert hatte, ging weitgehend an UBS vorbei. Doch in den letzten Monaten seien neue Leute eingestellt worden, die neues Geschäft bringen sollten. Und UBS verfüge über eine Handelsplattform, die der der Konkurrenz mindestens ebenbürtig sei, betonte der zweite Co-Chef Carsten Kengeter. Mehr Geschäft soll die von Grübel und seinem Chief Operating Officer Ulrich Körner vorangetriebene Integration der Banksparten bringen. Mittelfristig soll allein die Investmentbank einen Vorsteuergewinn von jährlich sechs Milliarden Franken erzielen.
VERMÖGENSVERWALTUNG MUSS VERTRAUEN ZURÜCKGEWINNEN
Wenn unter dem Strich wieder schwarze Zahlen stehen, soll nach Einschätzung Grübels auch das Kundenvertrauen wieder zurückkehren. Im Vermögensverwaltungsgeschäft sollte es dann wieder aufwärtsgehen. Reiche Kunden hatten zuletzt Milliardenbeträge bei der Bank abgezogen. Die Bank setzt sich zum Ziel, jährlich Nettoneugeld im Umfang von fünf Prozent des Bestandes hereinzuholen. Damit ist sie etwas weniger ehrgeizig als der Konkurrent Credit Suisse, der eine Zunahme von sechs Prozent oder mehr über eine mittlere Frist anstrebt. Der Bereich Wealth Management & Swiss Banking soll mittelfristig auf einen Vorsteuergewinn von 6,5 Milliarden Franken kommen. Das Wealth Management Americas soll eine weitere Milliarde beisteuern. Analysten kam der von UBS vorgelegte Zeitrahmen ein wenig lang vor. "Der lange Zeithorizont für die Trendwende könnte den Anlegern eine Menge Geduld und Nerven aus Stahl abverlangen", sagte Kepler-Analyst Mathias Büeler. Zudem stellte UBS den Aktionären eine restriktive Dividendenpolitik in Aussicht. Die UBS-Aktie legte bis zur Mittagspause auf dem Investorentag in einer leicht schwächeren Börse lediglich 0,7 Prozent auf 17,60 Franken zu.
Beobachter der Investorenveranstaltung fühlten sich an das Jahr 2004 erinnert, als Grübel das Steuer beim Konkurrent Credit Suisse übernommen hatte: Auf dem Investorentag im Dezember stellte er für das Jahr 2007 einen Gewinn von acht Milliarden Franken in Aussicht. Im Jahr 2006 betrug der Gewinn bereits mehr als elf Milliarden Franken. 2007 ging Grübel in Pension.
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